Russland ist Team Weltmeister
Russland tröstet sich nach der Enttäuschung bei der Europameisterschaft in Warschau mit dem Gewinn der Team Weltmeisterschaft in Antalya. Angeführt von Kramnik und Karjakin, sie fehlten bei der WM, profitieren die Russen vom Ausrutscher der Ukraine gegen Holland, das zu diesem Zeitpunt bereits drei Punkte Vorsprung hatte. Ein knapper Sieg im darauffolgenden direkten Duell brachte dem neuen Champion erstmals die Führung. In der gestrigen Schlussrund sichert ein knapper 2,5:1,5 Sieg gegen Ägypten Gold mit insgesamt 15 von 18 möglichen Punkten. Die Ukraine besiegt im Prestigeduell Armenien ebenfalls mit 2,5:1,5 und holt hinter den punktegleichen Chinesen die Bronzemedaille. Deutschland gewinnt gegen Aserbeidschan mit 3:1. Vier Siege und fünf Niederlagen bedeuten den 7. Rang hinter USA, Armenien und Holland aber vor Aserbeidschan, Türkei und Ägypten. (wk, Foto: ChessBase)
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Sensationssiege feiern Holland und Deutschland bei der Team Weltmeisterschaft in Antalya. Nach einem Ruhetag entzaubert Holland die Ukraine mit 2,5:1,5 und fügt dem Tabellenführer den ersten Punkteverlust zu. Den entscheidenden Siegpunkt holt Loek Van Wely gegen Anton Korobov. Eine nicht weniger große Überraschung ist der 3:1 Sieg von Deutschland gegen Armenien. Daniel Fridman besiegt Sergei Movsesian und Arkadij Naiditsch gewinnt gegen Vladimir Akopian. Der eigentliche Sieger dieser sechsten Runde ist damit Russland. Ein 3:1 Sieg gegen die Türkei bringt den Favoriten bis auf einen Zähler an die Ukraine heran und mit Armenien ist ein weiterer großer Konkurrent um den Turniersieg aus dem Titelrennen. Zudem steht das direkte Duell mit der Ukraine noch aus. Außenseiterchancen haben auch noch Holland und China mit jeweils 8 Punkten. (wk, Foto: ChessBase)
Magnus Carlsen gewinnt das Match gegen Vishy Anand mit 6,5:3,5. Damit krönt sich der Weltranglistenerste zum neuen Weltmeister und ist unbestreitbar der Mann, der im Schach die Maßstäbe setzt. Während andere Eröffnungsvarianten sezieren, strebt Carlsen spielbare Stellungen an und beeindruckt im Mittel- und Endspiel. Die heutige 10. Partie eröffnet Carlsen zum zweiten Mal mit e4, Anand greift diesmal zur Sizilianischen Verteidigung. Erneut folgt Carlsen nicht den Hauptvarianten, sondern stellt einen seiner bevorzugten Setups aufs Brett. Nach einem Fehler Anands bekommt er das bessere Endspiel, vermeidet alle erwarteten Zugwiederholungen und versucht zu gewinnen. Doch diesmal ist Anand auf der Höhe und bringt die Partie in den Remishafen. Dieses Remis beendet allerdings seine Zeit als Weltmeister. Zu Beginn der WM sahen die Chancen des Inders noch gut aus. In den ersten drei Partien kommt Carlsen einigermaßen unter Druck. Das Blatt wendet sich aber in der vierten Partie, die zwar Remis endet, aber Carlsen viel Zuversicht gibt. Die Entscheidung fällt mit einem Doppelschlag des Norwegers in den Partien fünf und sechs. Beide Male begeht Anand unter Druck Fehler, die Carlsen mit seinen überragenden Endspielfähigkeiten erbarmungslos ausnutzt. Nach zwei Remisen im Zeichen der Konsolidierung setzt Anand in der 9. Partie alles auf eine Karte, verliert aber glücklos ein drittes Mal. Carlsen ist mit seinen 22 Jahren nun gemeinsam mit Kasparov der jüngste Weltmeister der Schachgeschichte. (wk, Foto: Turnierseite)
Im türkischen Antalya findet zwischen 24. November und 6. Dezember die Mannschafts-Weltmeisterschaft statt. Dank ihrer erreichten Qualifikationen spielen folgende 10 Länder: Armenien (Titelverteidiger), Russland, Ukraine, Holland (alle 2012 Olympiade), Deutschland (Europameister 2011), USA (Amerika), China (Asien), Ägypten (Afrika) sowie die Türkei als Gastgeber und Aserbeischan, das vom FIDE-Präsidenten nominisert wurde. Nach fünf Runden führt die Ukraine mit dem Punktemaximum von 10 Zählern bereits deutlich vor Russland (7) sowie Hollland, Armenien, China und Aserbeidschach (alle 6). Deutschland startet mit zwei Siegen gegen Türkei und Ägypten, verliert dann aber dreimal in Serie gegen Holland, Ukraine und Russland. Das ergibt in der Tabelle Rang acht hinter den USA. (wk, Logo: Turnierseite)
Magnus Carlsen gewinnt seine dritte Partie, führt nun mit 6:3 und kann sich bereits morgen mit einem Remis in seiner nächsten Weißpartie zum neuen Weltmeister krönen. In der heutigen neunten Partie tat Anand was aufgrund des WM-Standes zu tun war. Er wechselte die Eröffnung, statt mit e4 begann der Weltmeister mit dem Damenbauern, wählte gegen Carslens Nimzoindische Verteidigung die scharfe Sämischvariante und nimmt mit einer asymetrischen Bauernstellung volles Risiko. Carlsens Stellung scheint einem Matt nahe, doch das norwegische Ausnahmetalent bleibt auch in dieser Situation "cool" und spielt die bestmögliche Verteidigung. Am Ende lässt Anand eine zweite Dame für Carlsen zu um eine "Mattkombination" starten, die allerdings ein entscheidendes Loch hat. Aber auch nach der besseren Fortsetzung wären ein Gewinn und die Verteidiung des Weltmeistertitels in weiter Ferne gewesen. De facto hat heute eine neue Ära im Schach begonnen. Die Ära Carlsen. (wk, Foto: Turnierseite)