Grand Swiss: Anand strauchelt, Ragger remisiert
Das neugeschaffene Grand Swiss, es ist wohl das stärkste Open aller Zeiten, hat gestern Isle of Man mit einigen Überraschungen begonnen. Die größte gelang Ex-Europameister Evgeniy Najer mit einem sehenswerten Angriffssieg gegen Ex-Weltmeister Vishy Anand, der damit denkbar schlecht ins Turnier startet. Kräftig gewackelt hat Weltmeister Magnus Carlsen zum Auftakt gegen den Ukrainer Yuriy Kuzubov, letzlich kann sich Carlsen aber doch den ganzen Punkt holen. Leichter hatte es Fabiano Caruana am Nachbarbrett gegen Zhong Zang. An den Top-10 Brettern müssen sich die Favoriten gleich sechsmal mit einer Teilung der Punkte begnügen. In der Favoritenrolle war auch Markus Ragger gegen den Chinesen Lu Shanglei. Allerdings ist der Junioren-Weltmeister von 2014 alles andere als ein leichter Gegner. In einem Zweispringerspiel opfert Ragger mit Schwarz einen Bauern und erhält die übliche Kompensation dafür, aber die Partie wird hoch kompliziert. Lu Shanglei schafft ein Ungleichgewicht mit Turm und vier Bauern gegen Läufer und Springer. Danach hat Ragger große Mühe die Partie in den Remishafen zu retten. Der Chinese muss der einen oder anderen verpassten Chance nachtrauern. Heute trifft Ragger ab 16:00 Uhr auf den Ukrainer Zahar Efimenko. (wk, Foto: Maria Emelianova/Chess.com)
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In Isle of Man findet vom 10. bis 21. Oktober das neu geschaffene Grand Swiss der FIDE statt. In einem Open mit den 100 besten Spielern der Welt wird ein Platz für das nächste Kandidatenturnier augespielt. Die Setzliste wird von Magnus Carlsen, Fabiano Caruana und Wesley So angeführt. Carlsen und Caruana spielen aber "nur" um das Preisgeld, der eine braucht keinen Platz im Kandidatenturnier, der andere hat seinen schon sicher. In den Top-10 der Setzliste sind weiters: Anand, Yu, Karjakin, Grischuk, Aronian, Harikrishna und Wojtaszek. Markus Ragger ist mit seiner aktuellen Elozahl von 2684 die Nummer 32. Vor ihm sind Kamsky und Gelfand, hinter ihm Rodshtein und Mcshane. Etwa 50 weitere Plätze zu den Top-100 werden vom Veranstalter mittels Wildcard vergeben. Gespielt wird im Comis Hotel und Golf Resort. Die erste Runde beginnt morgen, Donnerstag, um 15:00 Ortszeit, das ist 16:00 MEZ. (wk, Foto: Turnierseite)
Ding Liren geht beim World Cup Finale in Khanty-Mansiysk in der zweiten Partie gegen Teimour Radjabov mit 1,5:0,5 in Führung. Nach einem eher farblosen ersten Remis opfert Ding Liren am chinesischen Nationalfeiertag einen Bauern und erhält dafür drückende Initiative. In den entstehenden Verwicklungen zeigt Ding seine taktische Stärke und widersteht möglichen Materialgewinnen um die Initiative aufrecht zu halten. Im 41. Zug beendet er dann mit einer hübschen Schlusspointe die Partie und geht in Führung. In der heutigen dritten Partie, sie begann um 12:00 Uhr, könnte Ding mit einem weiteren Sieg das Match bereits entscheiden. Im Spiel um den dritte Platz bleibt es zwischen Maxime Vachier-Lagrave und Yu Yangyi in den ersten beiden Partien bei einem Abtasten. Man darf gespannt sein, wer sich zuerst aus der Deckung wagt. (wk, Foto: Turnierseite)
Teimour Radjabov gewinnt überraschend den World Cup 2019 in Khanty-Mansiysk. Ding Liren verliert zum zweiten Mal hintereinander das Finale. In den klassischen Partien musste Ding Liren nach seinem Sieg in der zweiten Partie eine Niederlage in der dritten einstecken. Radjabov packte gegen "Marshall" eine Variante aus, die bei bestem Spiel nach seinen Angaben forciert zu Remis führt, wenn der Gegner aber den Schlüsselzug nicht kennt, dann wird es schwer für ihn. Genaus so kam es. Nach einem Remis in der vierten Partie musste ein Tie-Break entscheiden. In der ersten Schnellschachpartie ist Ding mit Schwarz einem Sieg nahe, verpasst aber diese Chance. Ein weiteres Remis macht zwei Schnellpartien bei verkürzter Bedenkzeit notwendig. Da auch diese Remis enden, müssen zwei Blitzpartien entscheiden. Hier ist Radjabov der Nervenstärkere und gewinnt 2:0. Es ist ein überraschender Sieg des "Halbprofis" aus Aserbaidschan, der zwar stets sein Land bei den wichtigen Team-Bewerben vertritt, aber sonst nur ein paar ausgewählte Turniere spielt. Von ihm stammt nach einer schlechten Erfahrung in einem absoluten Top-Turnier auch der Ausspruch: "Zu spielen gegen die Top-Elite fühlt sich manchmal an wie mit Haien in einem Pool zu schwimmen". Diesmal hat er gegen die "Haie" gewonnen und sich in die Top-10 der Weltrangliste vorgekämpft. Beide Finalisten haben sich für das Kandidatenturnier qualifiziert. Im Spiel um den dritten Platz gewinnt Maxime Vachier-Lagrave das Tie-Break gegen Yu Yangyi sicher mit 2:0 und hat gute Aussichten auf eine Wild-Card für das Kandidatenturnier, sofern er sich nicht über den Grand Prix qualfiziert. (wk, Foto: Turnierseite)
Das World Cup Finale zwischen dem Favoriten Ding Liren aus China und dem Überraschungsfinalisten Teimour Radjabov beginnt heute in Khanty-Mansiysk nach einem gestrigen Ruhetag um 12:00 Uhr. Nachdem Radjabov den Franzose Maxime Vachier-Lagrave mit 1,5:0,5 ausgeschaltet hatte, konnte Ding Liren das Tie-Break gegen seinen Landsmann Yu in den ersten beiden Schnellpartien für sich entscheiden und mit einem Gesamtscore von 2,5:1,5 seiner Favoritenstellung gerecht werden. Damit hat auch Ding seinen Platz im Kandidatenturnier sicher. Im Finale geht es "nur" mehr um den Sieg im World Cup und das erste Preisgeld. Gespielt wird das Finale zuerst über vier Standardpartien. Bei Gleichstand gibt es ein Tie-Break. Ausgespielt wird auch der dritte Platz zwischen Yangyi Yu und Maxime Vachier-Lagrave. Dem Sieger winkt eine Wildcard für das Kandidatenturnier. Emotional stehen die Beiden daher stärker unter Druck als die Finalisten. Man darf gespannt sein, wer mit diesem Druck nach dem verlorenen Semifinale besser umgehen kann. (wk, Foto: Turnierseite)