Norway Chess: Carlsen schlägt Caruana
Vom 28. Mai bis 7. Juni findet in Norwegen das stärkste Turnier der Welt statt, wie die Veranstalter auf ihrer Website schreiben. Alle zehn Spieler liegen aktuell in den Top-13 der Weltrangliste und waren zum Zeitpunkt der Einladung Top-10. Aus den aktuellen Top-10 fehlen nur Kramnik und Giri. Bereits in der ersten Runde kam es zum "Showdown" der beiden Führenden der Weltrangliste, die zudem im November in London um die Weltmeisterschaft spielen werden. Dieses Duell mit Brisanz geht klar an Magnus Carlsen. Der Weltmeister umgeht mit dem Läuferspiel die russische Verteidigung, wie er es bereits einige Male getan hatte, und erlangt mit einem Bauernopfer im frühen Mittelspiel die Initiative. In der Folge erhält Carlsen zwei brandgefährliche Freibauern am Damenflügel während er jene von Caruana im Zentrum gut blockieren konnte. Diesen Vorteil führt Carlsen in einem Damenendspiel überzeugend zum Sieg. Da Carlsen auch die Blitzpartie am Vortag gegen Caruana gewinnen konnte ist der psychologische Vorteil für die WM auf seiner Seite. Das Match beginnt aber mit 0:0 und Caruana wird diese Niederlagen bis dahin wohl verarbeitet haben. Der Sieg von Carlsen bleibt die einzige Gewinnpartie des Tages zum Auftakt des Norway Chess in Stavanger. Die Partien Mamedyarov gegen Vachier-Lagrave, Nakamura gegen Ding, Anand gegen Aronian und So gegen Karjakin enden allesamt mit Remisen. In der heutigen zweiten Runde trifft Carlsen mit Schwarz auf seinen Herausforderer aus 2016, Sergey Karjakin. Die Runde wird ab 16:30 Uhr auf der Turnierseite live übertragen und kommentiert. (wk, Foto: Turnierseite)
Turnierseite

Österreichs Aushängeschild Markus Ragger ist derzeit in internationalen Ligen im Einsatz. Am Mittwoch spielte Ragger für seinen deutschen Klub Solingen einen Stichkampf um die Meisterschaft gegen Baden-Baden. Ragger konnte seine Partie mit Schwarz gegen Maxime Vachier-Lagrave im Gleichgewicht halten und verdient remisieren. Am Nachbarbrett gelang seinem Klubkollegen Anish Giri ein sehenswerter Sieg gegen WM Kandidat Fabiano Caruana. Gereicht hat es für Solingen trotzdem nicht. Siege von Peter Svidler und Ruslam Kasimdzhanov bringen Baden-Baden mit 4,5:3,5 erneut die Titelverteidigung. Schmerzlicher als die verlorene Meisterschaft ist für Solingen aber der Verlust ihres Mannschaftsführers Herbert Scheidt. Er starb einige Tage vor dem Stichkampf nach kurzer, schwerer Krankheit. Zuvor hatte er das Vereinsleben über 50 Jahre lang mitgeprägt und mit seinen Kontakten dafür gesorgt, dass Solingen stets eine starke Mannschaft ins Rennen schicken konnte. In diese Zeit fallen 12 gewonnenen Meisterschaften, zuletzt 2016. Seit gestern spielt Ragger für seinen Klub Bischwiller in der französischen Top-12 Liga. Zum Auftakt remisiert Ragger, erneut mit Schwarz, gegen Baadur Jobava. Bischwiller gewinnt gegen Tremblay mit 5,5:1,5 und gehört zu den engsten Favoriten. Im Vorjahr musste man allerdings Clichy den Vortritt lassen. (wk, Foto: Deutsche Bundesliga)
Die deutsche Bundesliga hatte von Sonntag bis Dienstag ihr Finale in Berlin. In einer gemeinsamen Runde sollten in den Runden 13-15 der Meister und die Absteiger ermittelt werden. Die Entscheidungen sind aber vertagt. Baden-Baden und Solingen, der Klub von Markus Ragger, gewinnen jeweils alle drei Begegnungen und sind in der Tabelle mit 27 von 30 möglichen Punkten gemeinsam an der Spitze. Laut Regulativ muss nun innerhalb von 14 Tagen ein Stichkampf um den Titel folgen. Baden-Baden hat wegen der besseren Zweitwertung das Heimrecht. Im Abstiegskampf liegen Zugzwang (Stefan Kindermann), Speyer-Schwegenheim, Bayern München und SK Norderstedt auf den offiziellen Abstiegsplätzen. Allerdings ist das Gedränge um einen Platz in der Liga offenbar nicht groß. Schwäbisch-Hall hat bereits seinen Rückzug angekündigt, damit ist der Münchner Verein Zugzwang gerettet. Zudem ist nicht klar wie viele Vereine tatsächlich aufsteigen werden um das Abenteuer Bundesliga in Angriff zu nehmen. Daher gibt es auch noch Hoffnung für Speyer-Schwegenheim und Bayern München. Die Österreicher haben sich in dieser Saison wacker geschlagen. Markus Ragger spielt für Solingen alle 15 Partien, holt neun Punkte bei einer Performance von 2690 und hat noch den Stichkampf gegen Baden-Baden vor sich. Peter Schreiner spielt für Berlin 11 Runden solides Schach und erzielt fünf Punkte bei einer Eloleistung von 2469. Der erhofft Angriff auf eine GM-Norm gelang aber nicht. Berlin beendet die Saison im Mittelfeld am 15. Platz. Eine starke Saisonleistung zeigt Stefan Kindermann am zweiten Brett für MAS Zugzwang 82. Sechs Punkte aus 13 Partien bedeuten eine Eloleistung von 2573. Noch besser war Valentin Dragnev am Spitzenbrett von Bayern München. Eine Niederlage in der Schlussrunde verhindert zwar ein 50%-Score, wichtiger ist aber die dritte GM-Norm aus 10 Runden. (wk, Foto: Turnierseite)
Spannend verliefen die US-Meisterschaften der Frauen in St. Louis. Die Entscheidung fällt erst in einem Stichkampf zwischen Nazi Paikidze und Annie Wang. Zwei Runden vor Schluss hatte die 15-jährige Wang noch mit einem Punkt Vorsprung geführt. In den beiden Schlussrunden verpasst sie aber die Chance die Entscheidung herbeizuführen und Paikidze kann noch aufschließen. Im Stichkampf wird Wang in der ersten Partie in der Eröffnung überrascht, spielt dann aber groß auf und bekommt zwei weitere "Machbälle" auf den Turniersieg. Paikidze greift unter Siegzwang mit Weiß zum königsindischen Angriff, steht aber nach einigen Ungenauigkeiten eher schlechter, versteht es aber die Stellung zu verschärfen und den Stichkampf auszugleichen. So fällt die Entscheidung in einer Armageddon-Blitzpartie. Paikidze erhält per Los die weißen Steine und damit eine Minute mehr Bedenkzeit, muss aber gewinnen. Beide Spielerinnen folgen lange der zweiten Stichkampfpartie. Erneut versteht Paikidze die Stellung besser, gewinnt und darf sich über ihren zweiten Titel nach 2016 und 25.000 Dollar Preisgeld freuen. In ihren drei Teilnahmen konnte die geborene Georgierin zweimal gewinnen und einen zweiten Platz belegen. In den insgesamt 33 Turnierpartien musste sie nur 2017 zwei Niederlagen hinnehmen und ist damit trotz Krush und Zatonskih die dominierende Spielerin der letzten Jahre. Die Zukunft könnte aber bald den US-Chinesinnen Annie Wang und Jennifer Yu gehören, die beide 2002 geboren sind. Wang verpasste bereits heuer den Sieg nur knapp, Yu zeigte nach schlechtem Start mit 1,5/5 mit 5/6 in der zweite Hälfte ihr Potenzial und erreicht hinter Krush noch den geteilten vierten Platz gemeinsam mit Zatonskih. (wk, Foto: Turnierseite)
Sam Shankland gelingt bei den US-Meisterschaften in St. Louis eine Riesensensation. Er gewinnt überzeugend mit 8,5 Punkten aus 11 Partien, lässt die Superstars Caruana, So und Nakamura hinter sich und gewinnt neben dem Titel das erste Preisgeld in Höhe von 50.000 Dollar. Der größte Erfolg seiner Karriere lässt ihn erstmals auch die Elogrenze von 2700 überspringen. Der Mann aus Kalifornien gehört seit vielen Jahren zu den besten Schachspielern Amerikas, stand aber immer im Schatten der großen Drei. Mit ihnen gewann er 2016 die Schach Olympiade in Baku. Shankland hat mit dem besten Ergebnis am vierten Brett wesentlich zu diesem Erfolg beigetragen. Die Konkurrenz muss diese Leistung neidlos anerkennen. Fabiano Caruana kämpft bis zur Schlussrunde mit Shankland um den Titel. Sein Sieg Alexander Onischuk ist aber zu wenig, da Shankland am Nachbarbrett gegen Awonder Liang eine strategische Meisterleistung gelingt. Das Ergebnis von Caruana ist mit plus Fünf aber eine weitere starke Vorstellung in diesem Jahr und eines WM-Finalisten würdig. Wesley So bleibt mit 6,5 Punkten ungeschlagen, spielt aber ebenso wie Hikaru Nakamura (5,5) unter seinen Möglichkeiten. So wird Dritter, Nakamura teilt den vierten Platz mit Lenderman, Robson und Xiong. Im Bewerb der Frauen kam es gestern zu keiner Entscheidung. Die Führende 15-jährige Annie Wang verliert gegen die Vorjahressiegerin Sabina Foisor ihre erste Partie und wird von Nazi Paikidze, sie remisiert gegen Rusudan Goletiani, noch eingeholt. Die Beiden spielen heute ab 20:00 MEZ ein Tie-Break um den Titel. Elofavoritin Irina Krush muss sich vor Anna Zatonskih und Jennifer Yu mit dem dritten Platz begnügen. (wk, Foto: Turnierseite)