Erfolgreiches erstes Mädchensichtungstraining begeistert Spielerinnen und Eltern

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Das erste Mädchensichtungstraining des Österreichischen Schachbundes war ein voller Erfolg und bestätigte die gute Idee unserer neuen Bundestrainer Gert Schnider und Martin Christian Huber, die zu diesem besonderen Training eingeladen hatten. Ziel des Tages war es, die Mädchen sowie ihre Eltern kennenzulernen, umfassend zu informieren und nachhaltig zu motivieren.

Insgesamt 22 Mädchen nahmen an diesem ereignisreichen Trainingstag teil, der mit einem straffen, aber abwechslungsreichen Programm gefüllt war. Zu Beginn stellten sich die beiden Bundestrainer vor und erläuterten den Ablauf des Tages. Anschließend ging es für die Mädchen direkt an die Bretter: In den Altersklassen U10 und U12 wurde jeweils ein 5-rundiges Schnellschachturnier mit einer Bedenkzeit von 10 Minuten plus 5 Sekunden Inkrement gespielt.DSC05428

Während die Mädchen konzentriert ihre Partien austrugen, erhielten die Eltern parallel wichtige Informationen rund um den Jugendkader, Spiel- und Fördermöglichkeiten, Trainingsprogramme sowie Empfehlungen und Perspektiven für zukünftige Kaderspielerinnen.
Die Mädchen spielten zunächst drei Runden vor der Mittagspause und jede Partie wurde konsequent ausgespielt, Remisangebote waren dabei fast kein Thema. Der Ehrgeiz war deutlich spürbar, aber auch der Spaß kam keineswegs zu kurz.

In der Mittagspause wurde gemeinsam gegessen, gelacht und getobt, bevor es anschließend im Seminarraum mit einem vielseitigen Trainingsprogramm weiterging. Auf dem Trainingsplan standen unter anderem Taktikaufgaben aus der Stufenmethode (Stufen 1–3) von Rob Brunia und Cor van Wijgerden, bei denen innerhalb einer vorgegebenen Zeit möglichst viele Aufgaben korrekt gelöst werden mussten. Es folgte ein anspruchsvolles Gedächtnistraining, bei dem kurz projizierte Stellungen auf der Leinwand aus dem Kopf mithilfe von Bleistift und Papier rekonstruiert werden mussten.

DSC05498Ein weiterer Programmpunkt waren mathematische Übungen (Multiplikations- und Subtraktionsaufgaben), die das arithmetische und prozedurale Faktenwissen messen. Innerhalb von 90 Sekunden galt es, so viele Aufgaben so präzise wie möglich zu lösen, eine Herausforderung, an der selbst so mancher Erwachsene gescheitert wäre. Jubelrufe bei den Multiplikationsaufgaben („Jaaa!“) wechselten sich mit kollektiven Seufzern bei den Subtraktionen („Neeein!“) ab und sorgten für eine lockere Atmosphäre.

Besonders unterhaltsam wurde es beim Koordinatentraining auf Lichess. Bundestrainer Gert Schnider ging dabei eine Wette mit Parinitha ein: Sollten mehr als 20 Aufgaben richtig gelöst werden, würde er 10 Liegestütze machen. Mit beeindruckenden 23 richtigen Lösungen gewann Parinitha souverän sehr zur Freude aller Anwesenden, während der Bundestrainer seinen Wetteinsatz sportlich einlöste.DSC05638

DSC05615Im Anschluss folgte ein Eröffnungstraining, bei dem das Schottische Gambit vorgestellt wurde. Bildhafte Begriffe wie Revolverspringer, Arche-Noah-Falle, Röntgenangriff oder Großmutterspringer sorgten für viele Aha-Momente und bleiben den Mädchen sicherlich in Erinnerung. Danach wurde noch das Benennen von Feldfarben anhand von Koordinaten geübt. Bevor die letzten beiden Runden des Schnellschachturniers gespielt wurden, sahen sich die Teilnehmerinnen gemeinsam eine Partie von Jasmin Schloffer aus den Österreichischen U8-Meisterschaften von 2008 an, bei der die Buben und die Mädchen in einem Turnier zusammengespielt haben. Wir haben diese Partie auf unseren Lichessaccount auch nochmal hier zur Verfügung gestellt: OesterreichSchach

Gegen 18:15 Uhr endete ein intensiver und erfolgreicher Trainingstag. Beide Bundestrainer zeigten sich äußerst zufrieden. Gert Schnider resümierte: „Ich war sehr begeistert davon, dass so viele Mädchen gekommen sind und bin beeindruckt von ihrer Ausdauer und Motivation.“
Auch Martin Christian Huber bestätigte den positiven Eindruck: „Alle haben im Training sehr gut mitgearbeitet. Ich hatte den Eindruck, dass es den jungen Schachspielerinnen viel Spaß gemacht hat und hoffe, dass auch die Eltern und Erziehungsberechtigten die Präsentation als informativ empfunden haben.“

Aufgrund der durchweg positiven Resonanz wird das Projekt fortgesetzt. Der nächste Termin ist bereits für den 22. März fixiert. Ganz ohne Hausaufgaben ging es jedoch nicht nach Hause: Neben Taktikaufgaben lautete der wohl wichtigste Auftrag, eine Freundin, die noch kein Schach spielt, für das Spiel zu begeistern. Einen besonderen Dank verdient der Verein SC Donaustadt, der uns seine tollen Räumlichkeiten zur Verfügung stellte. (ssc, Fotos: Sandra Schmidt)

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