grenke Chess Festival 2026: Rekordteilnehmerfeld und starke österreichische Leistungen

Mit beeindruckenden 3.658 Teilnehmerinnen und Teilnehmern stellte das Grenke Chess Festival 2026 einmal mehr seine Ausnahmestellung unter Beweis und gilt damit als größtes offenes Schachturnier der Welt. Neben der enormen Breite zog das Festival auch die absolute Weltelite an, insbesondere das Freestyle A-Open wurde zur Bühne zahlreicher Topstars.

Unter den Teilnehmern fanden sich klingende Namen wie Magnus Carlsen, Vincent Keymer, Ian Nepomniachtchi, Levon Aronian, Hans Moke Niemann, Nodirbek Abdusattorov sowie Jan-Krzysztof Duda.

Die gesamte Teilnehmerliste, alle Ergebnisse und den Endstand gibt es hier: chess-results.com

20260408 Vincent Keymer am Brett

Foto: Peter Kranzl

Keymer triumphiert im Freestyle A-Open

Am Ende setzte sich Vincent Keymer in dem hochklassigen Feld punktgleich mit Maxime Vachier-Lagrave durch und entschied das Turnier dank der besseren Buchholzwertung für sich. Neben dem Preisgeld in Höhe von 60.000 Euro sicherte er sich damit auch die Qualifikation für die FIDE Freestyle Chess Weltmeisterschaft 2027.

Bei den Frauen war Harika Dronavalli die erfolgreichste Teilnehmerin. Gemeinsam mit Alua Nurman und Dinara Wagner qualifizierte sie sich für die FIDE Freestyle Chess Frauenweltmeisterschaft 2027.

Dominik Horvath glänzt mit Platz 2 im A-Open

Aus österreichischer Sicht verlief das Turnier äußerst erfreulich, allen voran mit einer herausragenden Leistung von Dominik Horvath im A-Open.

20260408 Dominik Horvath

Foto: Peter Kranzl

Der Österreicher blieb im 9-rundigen Turnier ungeschlagen, gab lediglich zwei Remis ab und erreichte somit 8 Punkte. Lediglich die etwas schlechtere Buchholzwertung verhinderte den Turniersieg, sodass Horvath am Ende den hervorragenden 2. Platz hinter IM Mukhammadzokhid Suyarov (Usbekistan) belegte. Seine Performance lag dabei bei 2735!
Horvath zeigte sich dementsprechend zufrieden:

„Ich bin sehr glücklich mit meiner Leistung beim Turnier. In den zwei Wochen davor habe ich mich intensiv darauf vorbereitet, sogar deutlich intensiver als sonst. Der Grund dafür waren meine letzten Ergebnisse, mit denen ich nicht zufrieden war. Ich wollte mir selbst beweisen, dass ich es besser kann.“

Als Schlüssel zum Erfolg nennt er unter anderem eine veränderte Trainingsstrategie mit weniger Fokus auf Eröffnungen sowie gezielte körperliche und mentale Vorbereitung.

Sein persönliches Highlight war der Sieg in Runde 8 gegen GM Pouya Idani: Dominik Horvath - Pouya Idani

„Über weite Strecken der Partie stand ich unter Druck, konnte mich jedoch gut verteidigen. Am Ende überzog mein Gegner und ich nutzte die Chance.“

Auch organisatorisch fand Horvath lobende Worte für das Turnier, insbesondere für die ruhige Spielatmosphäre trotz der enormen Teilnehmerzahl.

20260407 Dominik Vincent

Foto: Stefan Löffler

Bundestrainer Martin Huber analysiert für uns den Schlüsselmoment:

"In der entscheidenden Phase der Partie unterlief Schwarz im 54. Zug mit …Kf7?? ein folgenschwerer Fehler. Aus Sicht des Bundestrainers verliert Schwarz damit entscheidendes Tempo und erlaubt Weiß, seine Stellung nachhaltig zu verbessern: Nach 55. Kg4 oder 55. h4 stabilisiert Weiß seine Position deutlich. In der Partie zeigte sich dies konkret daran, dass nach 56. Le3 der Zug …Lg5 nicht mehr möglich war, da der Bauer bereits auf h4 steht. Das Läuferpaar sowie strukturelle Schwächen im schwarzen Lager sichern Weiß schließlich einen klaren Gewinnvorteil."

Robert Ernst erreicht letzte IM-Norm

Ein weiterer großer Erfolg aus österreichischer Sicht gelang Robert Ernst.

Der junge FM erfüllte beim Grenke Chess Festival seine letzte fehlende IM-Norm. Ernst hat bereits 3 IM-Normen, aber es fehlte die entscheidene aus einem klassischem Open Mit 6,5 Punkten und einer Performance von 2477 zeigte er die benötigte starke Leistung und überschritt gleichzeitig erstmals die Marke von 2400 Elo. Auch die weiteren Kriterien zur Erlangung einer IM-Norm wurden erfüllt, sodass der Einreichung des Titels nichts mehr im Wege stehen dürfte.

20260408 Robert Ernst

Foto: Peter Kranzl

Sein Trainer Patrick Reinwald hebt insbesondere die mentale Stärke hervor: „Aus meiner Sicht war die psychische Stabilität diesmal das Erfolgsrezept. Oft war er knapp dran, aber diesmal ist er deutlich besser mit dem Druck umgegangen.“

Auch Ernst selbst betont die Bedeutung der Turnierplanung und Energieeinteilung: „Der gute Start war entscheidend. Die wichtigen Runden kommen immer zum Schluss. Um Kräfte zu sparen, sollte man bereits vor dem Turnier seine Eröffnungen festlegen.“ Trotz des engen Zeitplans gelang es ihm, die Konzentration über das gesamte Turnier hinweg aufrechtzuerhalten.

Fazit

Aus österreichischer Sicht bleibt vor allem der zweite Platz von Dominik Horvath sowie die erfüllte IM-Norm von Robert Ernst in Erinnerung. (scc, Video: Peter Kranzl)

Partien der Liveübertragung:

20260408 Blick Turniersaal

Foto: Peter Kranzl