Schach - OLYMPIADE 2008 

SPECIAL


Schach-Olympiade Dresden
12.11.-25.11.2008

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Olympia Tagebuch
(Karl Heinz Schein, Walter Kastner)
TAG 12

Dresden-Tagebuch 12


Ein grauer Tag im frisch verschneiten Dresden. 

Die österreichische Delegation hat seinen allzeit Optimisten Karl-Heinz Schein verloren, der abreisen musste um sein künstlerisch kreatives Schachwissen nun als Trainer in Weyregg der Lehrerfortbildung zur Verfügung stellt. Das Olympiatagebuch verliert damit seine germanistisch blumenreiche Schlagfertigkeit. 

Zum Glück ist Dresden hinreichend vorgestellt und sind die wichtigsten Interviews bereits gemacht. Wir wenden uns daher gleich dem Geschehen im Turniersaal zu. Nicht aber ohne zuvor noch ein paar Worte des Danks an Zimmergenossen Karl-Heinz Schein zu richten, dessen Schachbegeisterung grenzenlos ist, wie diese Aufnahmen der letzten Pressekonferenzen zeigen.


Immer mitten im Geschehen: Karl-Heinz Schein (re) hier bei der PK
mit Anatoly Karpov.


Neben Fotos müssen auch Videos her...


... verpasst hat er mit Wehmut Boris Spassky, der leider auch den
Autogrammwunsch verweigert hat.

Lieber Karl-Heinz, danke für deine vielen Hilfen hier in Dresden. Heute war "Happy Hour" und die Partie steht gar nicht mal so schlecht... :)) Wünsche euch in Weyregg ein ebenso spannendes Seminar wie hier die Schlussrunde sein wird.


Herren Runde 10

Br. 33 UZB  Uzbekistan (UZB) Elo - 54 AUT  Austria (AUT) Elo 2 : 2
18.1 GM Kasimdzhanov Rustam 2672 - GM Ragger Markus 2518 ½ - ½
18.2 GM Iuldachev Saidali 2511 - GM Kindermann Stefan 2517 1 - 0
18.3 IM Khamrakulov Dzhurabek 2533 - IM Atlas Valery 2465 ½ - ½
18.4 GM Barsov Alexei 2513 - IM Neubauer Martin 2422 0 - 1



Nach neuer Regel müssen alle pünktlich ans Brett. Was tun mit der 
"gewonnen" Zeit?


Ragger gibt Autogramme. Was sich da wohl Kasimdzhanov denkt?


Kindermann vertreibt sich die Zeit lesend.


Unsere Herren treffen mit Usbekistan auf eine weiteren schweren Gegner und zeigen erneut die frisch gewonnene Olympiastärke. Markus Ragger bekommt es mit Schwarz gleich mit einem Ex-Weltmeister zu tun und wirft Rustam Kasimdzhanov mit der ultrascharfen Botwinnik-Verteidigung gleich den Fehdehandschuh hin. Bei offener Königsstellung und gegnerischer Freibauernmassen ist jeder Zug taktisch genauestens zu berechnen. Am Ende ist es Markus der das Dauerschach forcieren kann.


Österreichs Team mitten im Geschehen.

Nach guter Eröffnung kommt Stefan Kindermann im Mittelspiel in Nöten und muss eine Figur für zwei Bauern geben, vielleicht war es aber auch ein Opfer. Wenn ja, dann reichte die Kompensation nicht aus. Trotz zäher Verteidigung hat Dzhurabek Khamrakulov eine gewinnbringende Ressource. Da Valery Atlas seine Partie gegen Alexei Barsov problemlos mit Schwarz in den Remishafen steuert liegt es an Siegfried Baumegger einen Mannschaftspunkt gegen Usbekistan zu sichern. 

Von der Eröffnung Weg spielt der zweifache Staatsmeister kreativ und energisch, klar ist die Stellung aber lange nicht. Selbst als Shukrat Safin eine Figur für einen Freibauern geben muss, scheinen die gegnerischen Bauern gefährlich und Kompensation zu sein. Eine tadellose Spielführung sichert aber den Sieg gegen den 2510-Mann und das 2:2 nebst Matchpunkt. Damit lebt die Chance auf einen Topplatz vor der letzten Runde, die nach einem spielfreien Montag am Dienstag um 10.00 Uhr gestartet wird.


Damen Runde 10

Br. 36 AUT  Austria (AUT) Elo - 33 ITA  Italy (ITA) Elo 1½:2½
18.1 IM Moser Eva 2376 - IM Sedina Elena 2365 ½ - ½
18.2 WFM Kopinits Anna-Christina 2270 - WGM Zimina Olga 2368 1 - 0
18.3 WFM Novkovic Julia 2161 - WFM Ambrosi Eleonora 2128 0 - 1
18.4 Newrkla Katharina 2071 - WFM De Rosa Maria 2083 0 - 1



Gut gelaunt sind die Österreicher vor der Partie: Kopinits, Zsifkovits,
Brestian und Newrkla


Derweilen rückt Julia Novkivic die Figuren zurecht...


und genießt die neue Perspektive vor dem ersten Zug.


Anderswo liegen die Maskottchen bereit


Doch leider läuft es nicht so gut für unsere Damen. Das Match gegen Italien geht knapp verloren. Gleich der Start läuft komplett gegen Österreich. Julia Novkovic, eigentlich auf den ganzen Punkte angesetzt, "erobert" in einem Sizilianer die gegnerische Dame. Der Preis von drei Leichtfiguren stellt sich aber als zu hoch heraus und das Team gerät 0:1 in Rückstand. Katharina Newrkla macht es auf Brett 4 umgekehrt und opfert gegen Maria De Rosa zuerst chancenreich die Qualität und dann zudem die Dame für zwei Läufer und ein paar Bauern. Leider schafft es Kathie nicht die Koordination ihrer Figuren herzustellen und es steht 0:2.

Eva Moser müht sich gegen Elena Sedina natürlich lange um einer gleichen Stellung leben einzuhauchen. Es gelingt aber nicht, das Remis besiegelt die Niederlage. Und so geht ein toller Schwarzsieg von Anna-Christina Kopinits gegen WGM Olga Ziminia fast unter, sollte ihr aber viel Selbstvertrauen für die Schlussrunde geben. Hier heißt es jetzt. Alles ist möglich. Für das angestrebte Ziel, ein Platz in den Top-30 muss aber ein Sieg her.

Und der ist laut Auslosung durchaus im Bereich des Möglichen. Auf unsere Damen wartet Schottland und damit eine Favoritenstellung. Die Herren müssen gegen die leicht höher gesetzten Esten antreten, aber auch hier ist alles möglich!!


Es ist kalt in Dresden. Aber so kalt?


ECU Kontinentalmeeting / FIDE-Kongress

Am Samstag beginnt das Kontinentalmeeting der Europäischen Schachunion mit lächerlichen Streitigkeiten zwischen Türken, Griechen und Präsident Kutin und führt dann über lange Diskussionen wegen der schlecht vorbereiteten "Bids-Procedure" zu den schließlich blamablen Präsentationen der einzelnen Bewerber für die Ausrichtung großer Turniere. Am Ende lacht (fast) ganz Bulgarien führt, denn der Vereinseuropacup 2010 wird an Plovdiv vergeben.

Lichtblick des Tages ist die Wahl des Schweizer Präsidenten Kurt Gredener zum neuen Schatzmeister der Schachunion. Herzlichen Glückwunsch!!

Heute begann eine Ebene höher der Kongress des Weltschachbundes. An drei Tagen muss eine lange Tagesordnung mit mehr als 100 Punkten förmlich durchgepeitscht werden. Höhepunkt ist die Vergabe der Schach Olympiade 2012, die morgen erfolgen wird. Heute sind vor allem die neuen Regeln betreffend Remisverbot und Pünktlich sein, erwähnenswert. Das Remisverbot bis zu einer bestimmten Zugzahl kann von nun an vom Veranstalter beliebig gewählt werden. Die Pünktlichkeit am Brett wird zur Präsidiumssache erklärt. Es scheint als würde dies eine generelle FIDE-Regel für alle. Doch ist das letzte Wort darüber noch nicht gesprochen.


Der dreitägige FIDE-Kongress hat begonnen


Mit dabei Präsident Kirsan Ilyumshinov nach schwerem Autounfall


Nicht alles gefällt aus rotweißroter Sicht...


Und wieder geht an ein langer Tag an der Dresdner Elbe zu Ende.




Website of the
Austrian Chess Federation


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