Schach - OLYMPIADE 2008 

SPECIAL


Schach-Olympiade Dresden
12.11.-25.11.2008

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Olympia Tagebuch
(Karl Heinz Schein, Walter Kastner)
TAG 5

Dresden-Tagebuch 05


Eine Minute zu spät!

Es ist passiert, in der zweiten Runde kam es zum ersten Kontumazpunkt wegen Unpünktlichkeit. Die von der FIDE gewährte Schonfrist galt also nur in der 1. Runde. Und so spielten sich dramatische Szenen am Rande der Begegnung der Aserbaidschanerinnen gegen die Mannschaft Kirgisiens ab. Janyl Tilenbaeva aus Kirgisien erschien eine Minute nach 16 Uhr am Brett und verlor dadurch die Partie. Die Spielerin flehte den Schiedsrichter an, ihr die Verspätung nachzusehen, doch der kannte keine Gnade. Die neue Regel, wonach alle pünktlich am Brett sein müssen, wurde so erstmals einer Spielerin zum Verhängnis. Sie rannte heulend auf die Toilette…




Herren Runde 4

Br. 54 AUT  Austria (AUT) Elo - 77 TKM  Turkmenistan (TKM) Elo 3 : 1
33.1 GM Ragger Markus 2518 - IM Kakageldyev Amanmurad 2449 1 - 0
33.2 GM Kindermann Stefan 2517 - FM Esenov Annaberdi 2319 1 - 0
33.3 IM Atlas Valery 2465 - Atabaev Yusyup 2219 1 - 0
33.4 IM Neubauer Martin 2422 - IM Amanov Mesgen 2357 0 - 1




Anders bei den Österreichern, die uns keinen Grund zum Heulen geben, ganz im Gegenteil. Prächtige Stimmung im Teamquartier und bestimmt auch bei den Fans zuhause! Schauen wir gleich auf die gestrigen Begegnungen. Das 4:0 der Herren gegen Jordanien kam im Stile einer Klassemannschaft zustande. Siegi Baumegger glänzte durch seine attraktive Schlusskombination und Martin Neubauer siegte in überlegenem positionellem Stil. Mit sauberer Technik verwertete er seinen Mehrbauern. Großmeister Kindermann ließ seinem Gegner auf Brett zwei ebenfalls keine Chance. Nachdem er schon gegen den norwegischen Spitzenmann Agdestein seine italienische Eröffnung recht erfolgreich aufs Brett gesetzt hatte, wählte er gestern wiederum diese altehrwürdige Eröffnung; sein Gegner konnte die Chancen nie gänzlich ausgleichen und wurde sukzessive überspielt. Dramatik an Brett 1, als  Markus Ragger eine kleine Kombination des Gegners nicht genügend würdigte und eine Qualität geben musste. Allerdings erhielt er gewisse Kompensation in Form eines Plusbauern und einer recht sicheren Figurenstellung.  Mit einer großen kämpferischen Leistung drehte er das Spiel noch. Somit kam unter dem Strich dieses klare 4:0 heraus, das uns mit großen Hoffnungen in die heutige Begegnung gegen das schwer ausrechenbare Team von Turkmenistan blicken lässt. Statt Baumegger kommt heute wieder Valery Atlas zum Zug.


Erster Sieg für Martin Neubauer


Damen Runde 4

Br. 36 AUT  Austria (AUT) Elo - 61 BAN  Bangladesh (BAN) Elo 3 : 1
19.1 IM Moser Eva 2376 - WFM Shamima Akter Liza 2094 1 - 0
19.2 WFM Kopinits Anna-Christina 2270 - Khan Nazrana 1987 1 - 0
19.3 WFM Novkovic Julia 2161 - WFM Parveen Seyda Shabana 2079 ½ - ½
19.4 Newrkla Katharina 2071 - WFM Parveen Tanima 2066 ½ - ½




Fast ebenso erfolgreich gestaltete sich das Spiel unserer Damen, die ebenfalls gegen Sri Lanka antraten. Die nur scheinbar ruhige Philidor-Eröffnung wählend, überspielte  Eva Moser am ersten Brett ihre Gegnerin mit Schwarz. Auf dem zweiten Brett konnte Tina schon zum zweiten Mal eine Springergabel anbringen- der auf d5 auftauchende Springer verwirrte ihre Gegnerin offenbar so sehr, dass diese, in dem Wunsch, dieses Monster sofort abzutauschen, eine direkte Gabel auf e7 übersah. So erhielt unsere Tina von mir den Adelstitel „Prinzessin der Springergabeln“ verliehen. Schauen wir, ob sie sich im Laufe des Turniers dieses Titels noch würdig erweist. 


Prinzessin der Springergabeln: Tina Kopinits

Offenbar haben die Damen aus Sri Lanka mit Springergabeln ihre Probleme. Just in dem Moment, als sie zweizügig eine verheerende Gabel anwenden konnte, gab die Gegnerin von Julia Novkovic ihre Partie remis. Ein kurioses Ende einer Partie, die lange Zeit im Zeichen der Österreicherin gestanden hatte. Dies war die erste Begegnung in Dresden, bei der uns Caissa so richtig huldvoll über die Schulter blickte. Eine zähe, komplizierte Kampfpartie entwickelte sich auf Brett 4. Helene Mira versuchte alles Mögliche, um am Damenflügel durchzudringen und gleichzeitig das Gegenspiel  ihrer Kontrahentin am Königsflügel einzudämmen. Um ein Haar wäre dieses Vorhaben auch geglückt, um ein Haar ging es sich nicht aus und die Partie endete in einem schlussendlich für beide Seiten gerechten Dauerschach. 3: 1 gegen Sri Lanka ergeben weitere zwei wertvolle Matchpunkte.  Spannung ist also weiterhin angesagt. Mit einem Gesamtscore von 7: 1 gegen Sri Lanka wenden wir uns nun der kommenden Aufgabe zu:

Ich hoffe, ihr seid alle dabei wenn es heute um 15 Uhr heißt:

Computer einschalten, Daumen drücken und die Live-Übertragung genießen. Die Herren gegen Turkmenistan, die Damen gegen Bangladesh. Lang lebe unser König!


Ich darf noch einige Infos zu unseren heutigen Gegner-Nationen anfügen: (Quelle: Wikipedia)


Turkmenistan:

Turkmenistan grenzt (im Uhrzeigersinn) an Kasachstan, Usbekistan, Afghanistan, den Iran und das Kaspische Meer. Nahezu 80 % der Landfläche werden von der Wüste Karakum eingenommen, die sowohl aus Sand- als auch Geröllwüstengebieten besteht. Im Westen erstrecken sich die Hochebene von Türkmenbaşy und der Große Balkan. Dieser fällt in Richtung Süden zum Karakum-Kanal (Turkmenischer Hauptkanal) ab, auf dessen anderer Seite die Landschaft in das Kopet-Dag-Gebirge übergeht, das sich größtenteils im Iran befindet, in Turkmenistan im Berg Reza 2.942 m und im Iran 3.191 m Höhe erreicht. Während Richtung Südosten nach Afghanistan noch einige Ausläufer des Gissargebirges aufragen, befindet sich der höchste Berg des Landes, der Ayrybaba (3.139 m), an der östlichen Grenze zu Usbekistan. Es herrscht überall kontinentales Klima mit extrem heißen und trockenen Sommern und kalten Wintern.

Das Land ist ein Wüstenstaat. Die Verkehrsströme verlaufen gebündelt entlang der ehemaligen Seidenstraße in Ost-West-Richtung von Samarqand (Usbekistan) über Aşgabat nach Türkmenbaşy am Kaspischen Meer.

Zudem plant die turkmenische Regierung die Anlegung eines künstlichen Sees in der Karakumwüste. Die Fertigstellung des Projektes wird 2010 erwartet. Die Seefläche soll geschätzte 3500 km² betragen.

In der „Rangliste der Pressefreiheit 2006“ von Reporter ohne Grenzen rangiert
Turkmenistan auf dem zweitletzten Platz, vor dem Schlusslicht Nordkorea. Alle inländischen Medien unterstehen der Zensur. Russischsprachige Zeitungen dürfen nicht vertrieben werden. Der einzige Internet-Anbieter ist die staatliche Monopolgesellschaft TurkmenTelekom.

Bangla Desh


Bangladesch ist ein Staat in Südasien. Er grenzt im Süden an den Golf von Bengalen, im Südosten an Myanmar und wird sonst von Indien umschlossen. Er nimmt den östlichen Teil der historischen Region Bengalen ein, der 1947 aufgrund der muslimischen Bevölkerungsmehrheit von Indien abgespalten und unter der Bezeichnung „Ostpakistan“ zum Bestandteil Pakistans wurde. 1971 erlangte Ostpakistan infolge des Bangladesch-Kriegs unter dem Namen Bangladesch seine Unabhängigkeit. Bangladesch bedeutet in der Landessprache „Land der Bengalen“.

Mit 147 Millionen Einwohnern (Stand: 2006) ist Bangladesch das siebtbevölkerungsreichste Land der Erde und mit einer Bevölkerungsdichte von mehr als 1000 Menschen je Quadratkilometer auch der am dichtesten besiedelte Flächenstaat der Welt. Lediglich 26 Prozent der Einwohner leben in Städten. Die Bevölkerung stieg in den letzten 18 Jahren um ca. 25 Mio. Dies liegt unter anderem an der hohen Geburtenrate. Sie lag 2006 bei 2,98 Prozent, während die Sterberate 0,83 Prozent betrug. Die Bevölkerung nimmt jedes Jahr um etwa 2,1 Prozent zu, und die durchschnittliche Kinderzahl liegt bei 3,11.

Seit Jahren baut Indien an einem mit Stacheldraht gesicherten Grenzwall, welcher die 4000 km lange Grenze gegen illegale Migration aus Bangladesh abriegeln soll. In Indien leben schätzungsweise 20 Millionen Bangladescher.


Pressekonferenz

Zum Abschluss werfen wir einen Blick ins Pressezentrum der Kongresshalle. Jeden Abend um 20 00Uhr moderiert die Exweltmeisterin  Zsuzsa Polgar eine Pressekonferenz  mit  täglich wechselnden Gästen. So nahmen gestern Abend neben ihr  Werner Stubenvoll und die drei Großmeister Stefan Kindermann, Alejandro Ramirez und Vladislav Tkachiev Platz. GM Kindermann, betone vor versammelter internationaler Schachpresse, dass er sich im österreichischen Team sehr wohl fühle und alles probieren werde, die hochgesteckten Erwartungen zu erfüllen. Er berichtete auch von seiner „Münchener Schachschule“ die er gemeinsam mit einer Geschäftsführerin leitet. Über dieses Projekt werde ich euch noch ausführlich berichten. Werner Stubenvoll erklärte Regelfragen, besonders neugierig war der australische GM Rogers, der das komplizierte Wertungssystem genau erklärt bekommen wollte. GM Ramirez aus Costa Rico, der mit 10 Jahren schon FIDE-Meister geworden ist,  berichtete über seinen schachlichen Werdegang und sprach auch über seine Glanzpartie, die er gestern gegen Nepal spielte. Das phantastische Damenopfer solltet ihr euch nicht entgehen lassen. Europameister Tkachiev sprach über seine Visionen, das Schach populärer zu machen. Er wünscht sich mehr Superstars in der Schachszene und denkt, dass das Blitzschach eine ideale Form für Fernsehübertragungen wäre.



Pressekonferenz mit Zsuzsa Polgar, Stefan Kindermann und Werner Stubenvoll 


Ramirez gelingt eine Glanzpartie (siehe Olympiasplitter)


Kindermann unterzeichnet Olympiaplakat


Blick auf Dresden

Zum Abschluss meines heutigen Berichtes möchte ich den ersten Blick auf die Stadt Dresden werfen. Ich werde in den nächsten Tagen die bemerkenswertesten  Bauwerke dieser interessanten Stadt an der Elbe vorstellen.

Werfen wir einen Blick vom Rathausturm auf das barocke Ensemble der Altstadt. Dabei fällt sofort die imposante Frauenkirche auf. Sie ist eine evangelisch-lutherische Kirche des Barocks und der prägende Monumentalbau des Dresdner Neumarkts. Sie gilt als eines der architektonisch reizvollsten Kirchengebäude Europas aus dieser Epoche und als prachtvolles Zeugnis des protestantischen Sakralbaus. Der neben dem Straßburger Münster größte Sandsteinbau der Welt verfügt zugleich über eine der größten steinernen Kirchenkuppeln nördlich der Alpen.

Die Dresdner Frauenkirche wurde von 1726 bis 1743 erbaut. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie während der Luftangriffe auf Dresden in der Nacht vom 13. zum 14. Februar 1945 durch den in Dresden wütenden Feuersturm schwer beschädigt und stürzte am Morgen des 15. Februars ausgebrannt in sich zusammen. In der DDR blieb ihre Ruine erhalten und diente als Mahnmal. Nach der Wende begann 1994 der 2005 abgeschlossene Wiederaufbau, den Fördervereine und Spender aus aller Welt finanzieren halfen.

Am 30. Oktober 2005 fand in der Frauenkirche ein Weihegottesdienst und Festakt statt. Aus dem Mahnmal gegen den Krieg soll nun ein Symbol der Versöhnung werden.














Website of the
Austrian Chess Federation


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