Österreichs Teams erleben nach dem Ruhetag bei der Schacholympiade wechselhafte Tage. Die Frauen feiern Siege gegen Schottland und Malaysia, müssen sich aber Deutschland denkbar knapp geschlagen geben. Die Herren kommen gegen Turkmenistan nicht über ein 2:2 hinaus, schlagen anschließend Chile mit 2,5:1,5 und verlieren heute gegen Ungarn mit 1:3.
Der Sieg des ÖSB-Frauenteams gegen Schottland hätte durchaus höher ausfallen können. Olga Badelka und Jasmin-Denise Schloffer gewinnen an den Spitzenbrettern. Am vierten Brett steht Elisabeth Hapala gegen Alica Lampard bereits klar auf Gewinn, doch ein taktischer Fehler im entscheidenden Moment kostet sie die Partie. So bleibt es Emilia Deak-Sala vorbehalten, mit einem Remis den 2,5:1,5-Matchsieg zu sichern.
Im großen Schlager gegen den Nachbarn und langjährigen Lieblingsgegner Deutschland verpasst Österreich nur knapp die nächste Sensation. Badelka hält am Spitzenbrett gegen Dinara Wagner Remis. Auch Jasmin-Denise Schloffer gegen Elisabeth Pähtz (2404) und Chiara Polterauer gegen Jana Schneider (2325) trotzen der Elo-Überlegenheit ihrer Gegnerinnen und sichern jeweils einen halben Punkt. Alles deutet bereits auf ein 2:2 hin. Doch dann gerät Deak-Sala in einem ausgeglichenen Läuferendspiel gegen Lara Schulze nach einer kurzen Unaufmerksamkeit ins Hintertreffen. Die Partie geht verloren – und damit auch das Match.
Heute gelingt dem Frauenteam gegen Malaysia ein weiterer 2,5:1,5-Erfolg. Schloffer und Hapala gewinnen ihre Partien, während Badelka am Spitzenbrett völlig überraschend verliert. Da auch Polterauer in der zweiten Schwarzpartie lange mit dem Rücken zur Wand steht, scheint der erhoffte Sieg gegen den nominell schwächeren Gegner in Gefahr. Doch Polterauer verteidigt sich energisch und sichert mit einem Remis schließlich den Matchsieg.
Bei den Herren hatten die Österreicher gegen Turkmenistan einen Sieg erwartet. Das Match entwickelt sich jedoch anders als erhofft. Lukas Dotzer und Konstantin Peyrer gewinnen ihre Partien, gleichzeitig müssen sich Kirill Alekseenko und Valentin Baidetskyi überraschend geschlagen geben. Damit endet die Begegnung 2:2.

Felix Blohberger kommt immer besser in Fahrt
Tags darauf wird Felix Blohberger gegen Chile zum Matchwinner. Sein Sieg trägt entscheidend zum 2,5:1,5-Erfolg der Österreicher bei und bringt das Team auf Tisch sechs – mit einer hochkarätigen Begegnung gegen Ungarn als nächstem Gegner.
Der Nachbar verfügt über eine große Schachtradition, gehört weiterhin zur Weltspitze und tritt an den Spitzenbrettern mit den Weltstars Richard Rapport und Peter Leko an. Für Österreich läuft das Match von Beginn an nicht nach Plan. Alekseenko provoziert Rapport zu einem Qualitätsopfer. Der Weltranglisten-19. erhält dafür ausreichende Kompensation und lässt Alekseenko in der Folge keine Chance. Auch Dotzer und Baidetskyi verlieren ihre Partien. Felix Blohberger kämpft gegen den ehemaligen WM-Finalisten Leko damit nur noch um den Ehrenpunkt – und holt ihn tatsächlich. Ungarn setzt sich dennoch klar mit 3:1 durch.

Usbekistan-Deutschland
An der Spitze des Turniers ist der Kampf um die Medaillen inzwischen voll entbrannt. Usbekistan verliert in der achten Runde gegen Deutschland seinen Zweipunktevorsprung, erobert die alleinige Führung aber unmittelbar danach mit einem Sieg gegen die USA zurück. Deutschland verliert gleichzeitig gegen Indien.
Für die große Sensation sorgt weiterhin Usbekistan 2. Als Nummer 30 der Setzliste liegt das zweite Team des Gastgebers gemeinsam mit Indien und Armenien in der Verfolgergruppe hinter dem eigenen Spitzenreiter. China führt auf Rang fünf eine sechsköpfige Gruppe mit jeweils 14 Punkten an.

Chinas Frauenteam gegen Usbekistan
Bei den Frauen demonstriert China einmal mehr seine enorme Stärke. Bemerkenswert ist dabei, dass gleich vier Spielerinnen aus den Top 6 der Weltrangliste im chinesischen Aufgebot fehlen. Lediglich Zhu Jiner verstärkt das Team am Spitzenbrett. Trotzdem haben die Chinesinnen bislang nur gegen Kasachstan einen Mannschaftspunkt abgegeben. Mit 17 Punkten führt China bereits zwei Punkte vor Titelverteidiger Indien, Kasachstan und der Mongolei.
Die Entscheidung um Olympiasieg, Medaillen und Platzierungen fällt in den letzten beiden Runden am Samstag ab 12:00 und am Sonntag ab 08:00 MEZ (15:00 bzw. 11:00 Ortszeit). (wk, Fotos: FIDE bzw. Emilia Castelao)