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Gut lachen haben Damencaptain Karl-Heinz Schein und seine Nummer 1 Eva Moser in der 3. Runde der Olympiade. Österreich besiegt Malaysia sicher mit 3:1. Moser und Novkovic gewinnen ihre Weißpartien, Exler und Newrkla steuern Schwarzremisen zum Gesamtsieg bei. Im Gleichklang mit den Damen marschieren die Herren. Luxemburg wird ebenfalls mit 3:1 geschlagen. Ragger und Kreisl kommen zwar über Remisen nicht hinaus, aber Shengelia und Neubauer sichern zwei Mannschaftspunkte. In Runde 4 warten nun Neuseeland und Paraguay. Update: Bericht von Karl-Heinz Schein über die 3. Runde sowie ein Interview mit Heinz Herzog, Österreichs Programmierschach-Guru. (wk)
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Fotos: Runde 3, Alle Olympiagalerien

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Karl-Heinz Schein und Eva Moser mit ihren Glücksbringern


Weiter geht’s im synchronen Paarlauf – Damen und Herren siegen jeweils 3:1

Höchst angenehm verlief für unsere beiden Teams die dritte Runde. Niemand aus dem rotweißroten Lager musste eine Niederlage hinnehmen, zwei ungefährdete Siege wurden eingefahren. Aber der Reihe nach...

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Genaue Sicherheitskontrollen gibt es beim Eingang der Spielhalle


Damen:

Nach ihrer unglücklichen Niederlage gestern konnte sich Tina Kopinits heute erholen und fieberte mit der Mannschaft mit: Sie sah eine weiterhin glänzend disponierte Julia Novkovic: Dritter Einsatz, dritter Sieg – besser geht es nicht! Mit konsequentem, aktivem Druckspiel widerlegte sie die etwas planlosen Manöver ihrer Gegnerin. Der Schiedsrichter durfte 1:0 für Österreich auf der Anzeigentafel notieren.

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Österreichs Damen warten auf den Start der 3. Runde

Eva Moser fragte mich schmunzelnd beim Mittagessen: „Was meinst du, soll ich heute 1.b3 oder 1.e3 eröffnen?“ „Du weißt, vor wenigen Tagen ist der frühere dänische Weltklassespieler Bent Larsen verstorben. Pack‘ ihm zu Ehren die Larsen-Eröffnung aus, also 1.b3!“, war meine Antwort. Das schien unserer schachhistorisch äußerst bewanderten Großmeisterin zuzusagen und tatsächlich bescherte ihr Larsens Aufbau sehr rasch eine äußerst vorteilhafte Stellung. Ohne den Hauch eines Gegenspiel suchte Evas Kontrahentin in ihrer Verzweiflung Zuflucht in einem Qualitätsopfer, das Eva mit leichter Hand widerlegte. 2:0 für Österreich. Damit war die Messe aber noch nicht gelesen, denn auf Brett 3 und 4 waren Veronika und Katharina in horrende Zeitnot geraten und spielten ab Zug zwanzig im 30-Sekunden-Modus. Immer wieder ging es sich haarscharf aus, dass unsere Spielerinnen gerade noch rechtzeitig ihren Zug ausführten. Endlich war der 40. Zug erreicht und man konnte sich die Sachlage in Ruhe betrachten. Veronika konnte sich beruhigt auf eine Zugwiederholung einlassen, denn dadurch war der Mannschaftssieg fixiert. Wenig später endete auch Katharinas Partie friedlich.

Fazit: Eine kompakte Mannschaftsleistung, das bessere Team hat verdient gewonnen. Ein Lob aber auch dem sympathischen Team aus Malaysia, das unseren Damen erbitterten Widerstand entgegengesetzt hatte. Wir sind gespannt auf die heutige Begegnung: Das Los hat uns Paraquay beschert, eine zwar nominell deutlich schwächere Mannschaft, die aber von uns sicherlich nicht unterschätzt werden wird.


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Hauptschiedsrichterin Sava Stoisavljevic im Interview


Zu den Herren:

Ragger, Shengelia, Neubauer und Kreisl: Die ersten vier unserer Setzliste wurden von Ribli nominiert, um den erhofften Mannschaftsieg einzufahren, Georg Danner drückte auf der Ersatzbank die Daumen. David Shengelia ließ seinem Gegner die Pranke des Großmeisters spüren, ein nie gefährdeter Sieg brachte Österreich 1:0 in Führung und Trainer Zoltan Ribli konnte entspannt dem weiteren Gang der Ereignisse folgen.

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David Shengelia, dahinter Coach Zoltan Ribli

Das Remis auf Brett vier zwischen Robert Kreisl und seiner Gegnerin Antoni Fiona Steil war das Ergebnis von beidseits korrektem Spiel. In der Schlussstellung kann keiner der beiden sinnvolle Gewinnversuche unternehmen. Martin Neubauer kam aus der Eröffnung mit Vorteil heraus, und obwohl sich Schwarz erfinderisch zur Wehr setzte, fuhr unser IM auf Brett die Partie letztendlich sicher nach Hause. Am Spitzenbrett blieben alle Gewinnversuche von Markus erfolglos, der sein leicht vorteilhaftes Doppelturmendspiel nicht in einen ganzen Punkt umsetzen konnte.

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Markus Ragger sucht vergeblich den Sieg herauszuquetschen

Fazit:

Luxemburg hat seine Haut teuer verkauft, doch die wichtigen zwei Matchpunkte landen im Stall der Österreicher. Heute wartet mit Neuseeland wieder ein Gegner, den man nicht unterschätzen darf, zwei weitere Matchpunkte sollten es aber doch werden.


Beim Gang durch die Turnierhalle bildete sich gestern zum ersten Mal vor dem Stand von Antatoly Karpov eine große Menschentraube. Immerhin war der Ex-Weltmeister persönlich erschienen um anläßlich eine Autogrammstunde für seine Kandidatur als FIDE-Präsident die Werbetrommel zu rühren. Sichtlich gut gelaunt plauderte er mit Spielern und Offiziellen aus verschiedenen Ländern.

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Autogrammstunde von Anatoly Karpov



Ein kurzer Blick zurück auf die zweite Runde: Noch gibt es wenige Überraschungen. Großteils setzten sich die Favoriten durch. Einzig die Niederlage von Europameister Aserbeidschan (in stärkster Aufstellung, mit Mamedjarov und Radjabov) gegen das junge Team aus Vietnam ließ aufhorchen. Dass Indonesien den favorisierten Israelis ein 2:2 abtrotzen würde, kam ebenfalls unerwartet.

Also: Wir treffen uns um 15.00 Uhr Ortszeit (11 Uhr MEZ) vor den Bildschirmen und drücken die Damen, wenn es wieder heißt: „Lang lebe der rotweißrote König!“

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Der kleinere der beiden Spielsäle für die Top-Teams

 

Österreich ist bei dieser Olympiade nicht nur mit zwei Mannschaften vertreten, auch in anderen Funktionen sind Österreicher beteiligt. Heute möchte ich aus diesem Anlass ein Interview bringen, das ich gestern mit dem Wiener Heinz Herzog geführt habe. Sein Auslosungsprogramm Swiss-Manager und seine Turnierdatenbank Chess-Results sind aus der heutigen Schachwelt nicht mehr wegzudenken.

 

K.-H. Schein

Hallo, Heinz, schön dass du dir Zeit genommen hast, um uns über deinen Einsatz hier bei der Schacholympiade zu erzählen. Wie geht’s dir und was hältst du von der Organisation der Olympiade?

H. Herzog

Danke, eigentlich sehr gut, leider habe ich einen Schnupfen mitgebracht, ich weiß nicht, wo ich den eingefangen habe. Alles hier ist sehr gut organisiert, eigentlich überraschend gut. Essen, Unterkunft, Transport, auch das technische Equipment funktioniert gut.

K.-H. Schein

Die wievielte Olympiade erlebst du bereits aktiv mit?

H. Herzog

Mit meinem Programm bin ich seit 2002 in Bled dabei, es ist also meine 5. Olympiade. Leider hat sich bei jeder Olympiade das Auslosungssystem geändert, was natürlich viel zusätzliche (unbezahlte) Arbeit macht. Auch gegenüber Dresden änderte sich der Auslosungsalgorhythmus. Das wurde ungefähr ein Jahr vor der Olympiade beschlossen und erforderte einigen Umstellungsaufwand.

K.-H. Schein

Wir treffen uns jeden Tag am Morgen in der Hotellobby, wenn ich die Aufstellung abgebe. Wer ist eigentlich der deutschsprechende Herr, der neben dir sitzt?

H. Herzog

Das ist Christian Krause, der ebenfalls ein Auslosungsprogramm geschrieben hat, der Vorsitzende der Schweizer-System Paarungs-Kommission der FIDE.  Er hat auch selbst ein Programm geschrieben und unsere beiden Programme  werden hier eingesetzt, um die Paarungen auszulosen. Wenn beide Programme das gleiche Ergebnis zeigen, gehen wir davon aus, dass die Auslosung  den Regeln entspricht, wenn die Ergebnisse abweichen, müssen wir  der Ursache nachgehen gehen und eventuell die Paarungen anpassen.

K.-H. Schein

Dein Auslosungsprogramm Swiss Manager ist weltbekannt. Ist es schon fertig?

H. Herzog

Ein Programm ist nie fertig, aber man kann ganz gut damit arbeiten. Um es weiter zu verbessern, bin ich immer für Feedback der Nutzer dankbar. In diesem Sinne kann man auch Anregungen und Fehlermeldungen an mich schreiben: heinz.herzog(at)swissmanager.at (das (at) muss durch @ ersetzt werden). Das Programm hat Kunden in 130 Ländern und ist in über 10 Sprachen übersetzt worden.

K.-H. Schein

Kann man davon leben?

H. Herzog

Nein, es ist und bleibt ein Hobby, meine liebe Frau Kako sagt, ein billiges Hobby, das nichts kostet außer Zeit und doch was bringt. Seit 1988, dem Geburtsjahr des Programms, habe ich moderat geschätzte 3.500 Arbeitsstunden ins Programm investiert.

K.-H. Schein

Gab es hier in Khanty-Mansiysk schon bemerkenswerte Vorfälle, was die Auslosung betrifft?

H. Herzog

Nicht wirklich, erwähnenswert ist vielleicht, wie das 4:0 von Israel gegen Yemen am ersten Spieltag  zustande kam. Yemen trat gegen die Israelis einfach nicht an und wurde kontumaziert.

K.-H. Schein

Wie sieht dein typischer Tagesablauf hier in Khanty-Mansiysk aus?

H. Herzog

Eigentlich folgt der Tag einer Standardprozedur. Aufstehen gegen 8 Uhr, anschließend duschen und Frühstück um halb 9. Von 9 Uhr bis 9.30Uhr nehme ich im Hotel Olympia die Teamaufstellungen der Mannschaften entgegen, hier werde ich u.a. von Werner Stubenvoll und Christian Krause unterstützt. Um halb 10 fahren wir mit einem Shuttlebus in die Spielhalle, dort haben wir ein kleines Büro, das sogenannte „Tap office„  (Tap = technical adminsitration panel). Diese technische Gruppe besteht aus dem Vorsitzenden Werner Stubenvoll, Christian Krause, Almog Burstein (Israel), Shaun Press (Papua Neuguinea) und mir. Wir sortieren die Aufstellungen, geben sie in den Swissmanager ein und spielen sie anschließend auf Chess-Results ein. Danach werden alle notwendigen Listen (Excel-Files) auf Chess-Results generiert und heruntergeladen, ausgedruckt und für die Hotels vorbereitet, wo sie dann angeschlagen werden. Auch die Matchreports für die Schiedsrichter und die Tafeln mit den Mannschaftsaufstellungen im Spielsaal werden von uns gedruckt . Für die 2. Runde z.B. haben wir mindestens 4000 Seiten ausgedruckt.

Schlussendlich  wird ein Mail an die Fide und den Veranstalter mit allen relevanten Daten versendet. Damit ist der Vormittag vorbei, wir fahren ins Hotel essen und anschließend geht es gegen 14.30 Uhr wieder zurück in den Spielsaal. Dort kann ich Österreich und Japan, dem Heimatland meiner Frau, die Daumen drücken.

Um 7.00 Uhr fahren wir ins Hotel zum Abendessen. Hier wird das Restaurant extra für uns geöffnet, die eigentliche Essenszeit für die Teilnehmer beginnt erst um 20.00 Uhr. Nach dem Essen geht es zurück in den Spielsaal und dann beginnt die heiße Phase: Die Matchreports werden eingesammelt, nach Tischnummern sortiert; die letzte Partie ist so gegen 21.00 Uhr beendet. Dann werden alle Ergebnisse genau erfasst und gegenüberprüft, anschließend wird eine erste Auslosung vorgenommen, Chr. Krause und ich vergleichen die Ergebnisse, die mit unseren beiden Programmen zustande kommen, bei Bedarf adaptieren wir die Erstauslosung, wenn alles passt, spielen wir die neue Auslosung auf Chess-Results ein, das sollte spätestens bis 22.00 Uhr geschehen sein. Schließlich mailen wir die generierten Daten an die FIDE und an den Veranstalter. Anschließend ist Feierabend!

K.-H. Schein

Neben dem Auslosungsprogramm Swiss-Manager ist die Turnierdatenbank Chess-Results ein weiteres Kind von dir. Kannst du uns darüber etwas erzählen?

H. Herzog

Gerne. Chess-Results arbeitet sehr eng mit dem Swiss-Manager zusammen, es ist eine Seite im Internet, auf der Schachergebnisse online präsentiert werden. Auf dieser Seite befindet sich auch die österreichische Meldekartei inklusive Eloliste und täglich aktualisierter Elovorschau für die nächste Periode.

K.-H. Schein

Dieses Programm stammt auch von dir?

H. Herzog

Ja, auch dieses Programm habe ich selbst geschrieben. Früher habe ich die Ergebnisse der Bundesligen mit dem Swiss-Manager generiert, das wurde mit der Zeit zu umständlich, es wurden auch immer mehr Turniere, die es im Internet anzuzeigen galt und ich habe nach einer besseren  Lösung gesucht, weil das Generieren von Listen  mit der Zeit mühsam wurde. 2004 wurde die Idee der Schachdatenbank Chess-Results geboren. Nun kann man sehr einfach Turniere einspielen, das ist in wenigen Sekunden möglich. Danach steht das Turnier online für alle Schachfreunde weltweit zur Verfügung. Das heißt, es sind dann unzählige Listen in verschiedenen Sprachen sofort verfügbar. Auf diese Art werden rund um den Erdball Turniere von den jeweiligen Veranstaltern eingespielt, 2010 werden es so an die 11.000 Turniere sein

K.-H. Schein

Bleibt bei dieser umfangreichen Programmierarbeit auch noch Zeit für andere Hobbys?

H. Herzog

Da bleibt eigentlich wenig Freizeit übrig, nach einem 8-Stunden- Job im Büro beantworte ich nämlich auch zahlreiche  Kundenanfragen. Einige tausend Anfragen pro Jahr werden es wohl sein.

K.-H. Schein

Ist da deine liebe Frau nicht eifersüchtig auf deine Programme, die so viel Zeit kosten?

H. Herzog

Nein überhaupt nicht. Sie unterstützt mich voll und ganz!

K.-H. Schein

Reizt es dich eigentlich noch, selbst Schach zu spielen?

H. Herzog

Jetzt nicht mehr, früher habe ich gerne gespielt. Durch die spielstarken Computer hat das Schach für mich als Spiel an Anziehungskraft verloren. Zusehen tu ich allerdings weiter recht gerne.

 

K.-H. Schein

Letzte Frage. Wer gewinnt die Olympiade?

H. Herzog

Keine Ahnung, Österreich leider nicht, und Japan wohl auch nicht!

 

K.-H. Schein

Lieber Heinz, herzlichen Dank für das ausführliche Interview und noch viele problemfreie Auslosungen !

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Es grüßen aus Sibirien Karl-Heinz Schein und Heinz Herzog

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