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Die Tür stand offen, durchgegangen ist Dänemark. Österreichs Herren verpassen mit einer 1,5:2,5 Niederlage den Sprung in die Top-20. Die entscheidende Partie verliert David Shengelia. Rang 38 punktegleich mit Rang 30 ist dennoch ein gutes Resultat. Die Damen schaffen es leider nicht mit einem Sieg eine schlechte Olympiade noch gut zu beenden. Die 0,5:3,5 Niederlage gegen BIH wirft das Team gar auf Rang 55 zurück, ein Sieg wäre punktegleich noch ein Rang in den Top-30 gewesen. So bleibt als einziger Lichtblick eine WIM-Norm von Julia Novkovic. Nach den russischen Damen sicherte sich gestern das Team der Ukraine den Olympiasieg in der offenen Klasse. Russland half auch das Kapern von Karjakin nicht, den heißbegehrten und um Land des Schachs erwarteten Titel zu holen. Selbst die Silbermedaille wird als Enttäuschung betrachtet, wie den Mienen der Spieler bei der Schlusszeremonie zu entnehmen war. In der Organisation der Olympiade haben die Russen neuen Maßstäbe gesetzt und excellente Bedingungen geboten. (wk)
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Fatale Schlussrunde wirft Österreichs Teams zurück

Es ist eine alte Weisheit in Turnieren mit Schweizer-System-Auslosung:  Sieg oder Niederlage in der letzten Runde kann einen Unterschied von gut 20 Tabellenplätzen ausmachen.

Demzufolge war die Spannung bei Österreichs Damen und Herren natürlich groß, als gestern um 11:00 Uhrtszeit die Hauptschiedsrichterin ihre Schiedsrichterkollegen aufforderte, die Uhren zum 11. Du zugleich letzten Mal in Gang zu setzen.

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Lassen wir zuerst die Begegnung der Damen Revue passieren.

Julia Novkovic, die hier ein ausgezeichnetes Turnier gespielt hatte, konnte mit einem Remis ihre letzte IM-Norm fixieren, und dieses Unentschieden hatte sie nach wenigen Zügen in der Tasche. Für die restlichen drei Damen galt die Devise: 2 Punkte aus diesen drei Partien müssen her und dies kann nur über vollen Kampf und Risiko gehen. Und es ging gleich zur Sache: Eva Moser am Spitzenbrett, gesundheitlich wieder hergestellt, wählte die aggressive holländische Verteidigung und schon bald standen die Könige auf verschiedenen Brettseiten. Das verhieß einen scharfen Kampf.

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Tina auf Brett zwei spielte mit Weiß die Eröffnung (ein Sizilianer mit 2. b3) sehr angriffslustig und richtete alle ihre Figuren auf den schwarzen König. Auf Brett drei erreichte Veronika schon bald eine vorteilhafte Stellung und landete in einem Mittelspiel mit zwei Mehrbauern.

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Die Sache begann also durchaus erfreulich, doch dann drehte sich plötzlich der Wind und uns wehte eine steife sibirische Brise ins Gesicht:

Eva nahm  - vielleicht die entscheidende Phase des Wettkampfs - einen Bauern auf g2, der es der Gegnerin ermöglichte, die g-Linie als Angriffsmagistrale zu nutzen.  Wenige Züge später musste unsere Nummer 1 ihren König umlegen und es war nun klar, dass die anderen beiden Partien gewonnen werden mussten.

Tinas Königsangriff hätte durch Dauerschach abgeschlossen werden können, aber das reichte in dieser Situation nicht mehr. Sie musste, um weiterzukämpfen, in ein Endspiel gehen, in dem sie zwei Türme für die Dame hatte. Der Angriffsschwung war jedoch gebrochen und in der Folge verlor sie in dieser Partie den Faden. Mit der Niederlage auf Brett 2 war der Wettkampf entschieden. Veronika Exler hatte in der Zwischenzeit Remis abgelehnt und stieß bei der nicht ganz einfachen Vorteilsverwertung ihrer zwei Mehrbauern nun auf eine Gegnerin, die  - „weil es eh schon egal war“– alles nach vorne warf. Veronikas Zeitnot tat ihr Übriges und das nicht für Möglich gehaltene trat ein: Auch auf Brett drei kassierten wir eine Niederlage – unser engagiert kämpfendes Team hatte die Höchststrafe kassiert!

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Fazit: Das 0,5:3,5 ist zu hoch ausgefallen, war aber symptomatisch für die Unform, in der der Großteil unserer Mannschaft in Khanty-Mansiysk  agierte. Mich persönlich freut es sehr , dass es Julia Novkovic gelang, in bestechendem Stil sieben lehrreiche und interessante Partien zu gewinnen. Auf der anderen Seite tut es mir für restlichen Damen sehr leid, dass es ihnen hier nicht gelang, zu zeigen, wozu sie fähig sind, wenn sie zumindest ihre Normalform erreichen.


Zu den Herren:

Das Tor war offen – wir gingen nicht hindurch! Dieses Kurzresüme lässt sich ziehen, wenn man die Ausgangssituation vor der letzten Runde betrachtet. Die Mannschaft war top eingestellt, eine Marschrichtung war ebenfalls im Gepäck verstaut: Auf Brett drei und vier (dort hatten die Dänen Elovorteile) sollten Remisen her, Markus Ragger sollte als Schwarzspieler am Spitzenberett ebenfalls einen halben Punkt absichern und David Shengelia auf Brett war dazu ausersehen, auf den ganzen Punkt loszumarschieren. Und fast  -ja, ja, dieses Wörtchen „fast“, ich weiß – wäre der Plan aufgegangen. Die drei Remisen wurden geschafft, doch Davids Weißpartie gelang nicht so, wie er es sich vorgestellt hatte. In schwieriger Stellung stellte er die Qualität ein und es waren die Dänen, die letztendlich über das Ergebnis jubeln durften, das wir uns so sehr erhofft hatten.

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Fazit:

Österreichs Herren haben in Khanty- Mansiysk nicht enttäuscht, sie haben ein solides Turnier gespielt und die Leistung gebracht, die man erwarten durfte. Dass die ganz große Situation letztendlich nicht geschafft wurde, hinterlässt einen leicht bitteren Nachgeschmack.

 


Grandiose Abschlussfeier

Am Abend nach der Schlusssrunde wurden die Mannschaften wie schon zur Eröffnung in die Arena Ugra- das Eisstadion Khanty Mansiysks  - gebracht, wo im Rahmen einer spektakulären Show die Sieger der 39. Schacholympiade geehrt wurden. Bei den Herren holte sich das Tema der Ukraine die begehrte Trophäe, bei den Damen war die Mannschaft von Russland 1 eine Klasse für sich. Auch an besonderes erfolgreiche Spieler und Spielerinnen wurde Ehrenpreise verteilt. Mit dem Einholen der FIDE-Flagge und den offiziellen Schlussworten von Präsident Iljumshinov wurde die 39. Olympiade offiziell geschlossen, nicht bevor der Präsident der türkischen Schachföderation – Ali… - seiner Freude Ausdruck verliehen hatte, die Teams der Welt 2010 in Istanbul begrüßen zu dürfen. Anschließend lud der Veranstalter sämtliche Mannschaften zu einem opulenten Empfang, wo sich Mannschaften aus aller Welt nunmehr in entspannter Atmosphäre über die Erlebnisse der vergangen 14 Tage austauschen konnten.

Für die beiden Berichterstatter Walter Kastner und Karl-Heinz Schein bleibt nur mehr übrig, euch zu Hause  einen letzten Gruß aus Sibirien zu schicken und Danke zu sagen für das Daumendrücken und Mitfiebern während einer Schacholympiade, die organisatorisch zu den besten aller Zeiten zu zählen ist.

Also dann – lang lebe der rotweißrote König – in Istanbul 2012!

Fotos folgen...

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