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Russlands Damen holen sich in der Besetzung Kosintseva T., Kosintseva N., Kosteniuk, Galliamova und Gunina mit einem 4:0 Sieg gegen Bulgarien vorzeitig den Olympiasieg. Österreichs Herren haben auch Grund zur Freude. Kirgistan wird mit Siegen von Ragger und Shengelia sowie einem Remis von Neubauer mit 2,5:1,5 besiegt. Das schiebt die Mannschaft auf Rang 28 in der Tabelle. In der Schlussrunde am Sonntag wartet mit Dänemark ein Nachbar in der Setzliste. Nun ist alles möglich. Ein Sieg könnte gar einen Platz in den Top-20 bringen. Die Damen feiern den erwarteten Pflichtsieg gegen Island im Ausmaß von 3,5:0,5. Ein weiterer Sieg gegen Bosnien & Herzegowina könnte noch einen Platz in den Top-40 unweit der Einstufung in der Startrangliste bringen. In der allgemeinen Klasse hat die Ukraine alle Chancen auf den Olympiasieg, doch lauert knapp dahinter Russland auf seine Chance. Um einen Medaillenplatz spielen noch Israel, Polen, Ungarn, Armenien, Spanien und Frankreich. Die Schlussrunde startet am Sonntag in Khanty-Mansiysk bereits um 11.00 Uhr, das ist 7.00 Uhr in Österreich. Update: Unter "Weiterlesen folgt ein diesmal überschwenglicher Bericht der Runde von K.-H. Schein... (wk)
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Fotos: Runde 10, Alle Olympiagalerien


Perfekte Vorschlussrunde für unsere Damen und Herren!

Die 10. und zugleich vorletzte Runde brachte für unsere beiden Teams süße Siege, wobei besonders der Erfolg bei den Herren für eine dramatische Schlussrunde aus rotweißroter Sicht sorgen wird.

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Novkovic und Moser fachsimpeln vor der Partie


Immerhin haben die Männer jetzt schon drei Begegnungen hintereinander gewonnen und in der Schlussrunde mit Dänemark einen Gegner zugelost bekommen, der in etwa gleichwertig einzuschätzen ist. Für beide Teams würde ein Schlussrundenerfolg eine sensationelle Olympiaplatzierung bedeuten und somit ist ein kompromissloser Kampf auf Biegen und Brechen zu erwarten. Ein Blick auf die Tabelle zeigt, welch renommierte Mannschaften zur Zeit hinter Österreich (28. Platz, punktegleich mit Rang 17) liegen: Bulgarien (mit Topalov), Norwegen (mit Carlsen,) Vietnam, Argentinien, Kroatien und nicht zu vergessen – Deutschland. Man wagt kaum daran zu denken, aber ein Sieg könnte uns in die Top 20 von 149 teilnehmenden Mannschaften hieven…

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Österreichs "Tutor" Lena mit Vizepräsident Robert Zsifkovits

Die Damen können sich leider nicht mehr in solch hohe Sphären schwingen, immerhin hat uns der Sieg gegen Island die Möglichkeit geboten, die Olympiade mit einem achtbaren Ergebnis zu beenden. Dafür wäre allerdings ein Sieg gegen Bosnien-Herzegowina erforderlich, eine bissige und ehrgeizige Mannschaft, die im Turnier bislang aber noch keine Bäume ausgerissen hat.

Lassen wir nun die gestrige Runde im Detail Revue passieren und beginnen wir bei den Damen:

Island hieß der Gegner und die Dramaturgie verlief anfangs gleich wie eine Runde zuvor gegen Italien: Eva Moser – von ihren hartnäckigen Halsschmerzen noch nicht genesen – gab ihre Partie gegen GM Ptacnikova rasch Remis, die Stellungen an den übrigen drei Brettern  sahen alsbald vielversprechend aus. Und wiederum – wie bereits eine Runde zuvor – sorgte Julia Novkovic mit einer glasklaren Partie für Österreichs Führung. Mit einem klugen Damenmanöver über c5 nach h5 führte sie den Damentausch herbei und zog damit der auf Königsangriff ausgerichteten weißen Angriffsstellung den Giftzahn. Den restlichen Partieverlauf würde ich mit den Worten „schiefe Ebene“ charakterisieren: Das schwarze L äuferpaar wütete schrecklich in den Ruinen der weißen Stellung.

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Siebenter Sieg für Novkovic

Die beiden übrigen Partien gingen in die Zeitnotphase, die man im österreichischen Lager entspannt mit verfolgen konnte. Sowohl Veronika Exler als auch Tina Kopinits hatten sich durch konsequentes, geduldiges Positionsspiel deutliche Vorteile herausgearbeitet – Erntezeit war heran gebrochen: Besonders erfreulich der Sieg von Veronika, die somit ihre erste Partie bei einer Schacholympiade gewinnen konnte. Schön, wie sie die in der Vorbereitung herausgearbeiteten strategischen Motive (Dank an Georg Danner, der uns tatkräftig unterstützt hatte!) aufs Brett brachte: Läuferpaar, Springer nach c4, Bauern auf f3 und e4 waren einige der Motive, die wir am Morgen vor der Partie besprochen hatten und in der Partie tatsächlich zur Anwendung kamen.

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Erster Olympiasieg für Veronika Exler

Tina – gesundheitlich leicht angeschlagen und dauerhustend – legte ihre Partie sehr geschickt an: Äußerlich war nicht so viel los in der Stellung, doch die asymmetrische Bauernverteilung verhinderte eine rasche Verflachung in ein Remis. Die Bauernmehrheit am Damenflügel gipfelte in einem brandgefährlichen Freibauern, der sich schließlich in eine zusätzliche Dame verwandelte. Ihrer isländischen Konkurrentin war es in der Zwischenzeit nicht gelungen, einen Königsangriff aus dem Boden zu stampfen, der Tinas Damenflügelspiel hätte kompensieren können. Fast zeitgleich gaben Tinas und Veronikas Gegnerinnen ihre Partien verloren: 3,5 : 0,5 für Österreich lautete somit der verdiente Endstand.

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Tina Kopinits

Fazit: Die Favoritenrolle der Österreicherinnen in dieser Begegnung wurde eindrucksvoll bestätigt, Island erzielte durch das rasche Remis auf Brett 1 einen „halben Ehrenpunkt“, mehr war für die engagierten Nordländerinnen in dieser Runde nicht drinnen.

Nun zu den Herren:

Zoltan Ribli und seine Mannschaft witterten schon vor der Runde Höhenluft. Mit einem Sieg gegen Kirgistan war ein Vordringen in die ganz hohen Tabellenregionen möglich und würde uns in der Schlussrunde die Möglichkeit eröffnen, um ein sensationelles Olympiaresultat zu kämpfen. Genau dieses Vorhaben wird Realität! Diesmal waren es unsere beiden Großmeister, die zum Matchwinner avancierten: Markus Ragger auf Brett eins erlangte durch ein ungewöhnliches Manöver seines Gegners angenehmes Spiel: Dieser entwickelte in einem c3-Sizilianer seinen Läufer nach f5, nur um ihn einen Zug später gegen den noch im Stall weilenden Sb1 abzutauschen. Markus erhielt in der Folge Läuferpaar und Raumvorteil, zwei Komponenten, die er gekonnt und scheinbar mit leichter Hand zum Sieg verdichtete.

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Markus Ragger überrascht im c3-Sizilianer


Dritter Sieg in Folge für die Mannschaft, Hattrick auch für David Shengelia an Brett 2. Sein Gegner versuchte die Nimzoindische Verteidigung kreativ anzugehen, doch was Phantasie und Einfallsreichtum angeht, steht ihm David in keiner Weise nach. Gekonnt wehrte unser Brett 2 die Angriffsversuche seines Gegners ab und verblieb wie eine Runde zuvor mit Qualitätsvorteil. Wiederum war es anschließend nur mehr eine Sache der Technik, wie er den Vorteil verwertete. Mit der 2:0 Führung konnte man nun entspannt zusehen, woher das noch fehlende halbe Pünktchen zum  Matchsieg kommen würde.

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David Shengelia feiert einen schwarzen Blitzsieg

Martin Neubauer war es schließlich, dessen Remis den Endstand fixierte. Allerdings wird er nicht zufrieden sein, immerhin hatte er einen gesunden Mehrbauern und konnte zudem völlig gefahrlos den isolierten Damenbauern seines Gegners belagern. Den Übergang vom Mittelspiel ins Endspiel traf er jedoch nicht optimal und sein kampfkräftiger Gegner entwischte ins Remis. Kein Beinbruch, der Mannschaftssieg war gesichert.


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Martin Neubauer verpasst eine Gewinnstellung

Robert Kreisl auf Brett vier wusste, dass er für die Erreichung einer Großmeisternorm aus den letzten beiden Partien zwei Siege benötigte . Leider gelang dem hier in Khanty-Mansiysk großartig agierenden Leobner dieses Kunststück nicht. In der gestrigen Partie  wählte er seine geliebte slawische Verteidigung und erreichte Ausgleich, "aber dann hörte ich auf Schach zu spielen und machte nur mehr zweitbeste Züge" wie Robert beim Abendessen erzählt. Weiß erlang so einen kleinen Vorteil und als dem Schwarzen im Mittelspiel ein Bauer abhanden kam, war das Schicksal der Partie entschieden - das resultierende Läuferendspiel war nicht mehr zu halten. Endstand: 2,5 zu 1,5 für Österreich

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Robert Kreisl findet erkältet "nur zweitbeste Züge"

Fazit: Eine dramatische Schlussrunde ist vorprogrammiert. Österreichs Herren - in den letzten Runden durchaus nicht von Auslosungspech geplagt - könnten für ein phantastisches Ergebnis sorgen, das im Vorfeld niemand für möglich gehalten hätte. Dazu müsste „lediglich“ Dänemark gebogen werden. Keine unmögliche Aufgabe, doch im dänischen Lager wird dieselbe Euphorie herrschen: auch dort wittert man die einmalige Gelegenheit, eines der besten Olympiadeergebnisse ihrer Geschichte zu erzielen. Die Computer laufen hier wie dort heiß, wir sind gespannt, wie es Zoltan Ribli verstehen wird, unser Team auf diesen letzten, schweren Gang einzustimmen.

Bei den Damen hat Julia Novkovic - die in Khanty Mansiysk bereits sieben Partien gewonnen hat - die Möglichkeit, ihre dritte und letzte IM-Norm zu erzielen. Gemeinsam mit Heinz Herzog und Christian Krause wurden die FIDE-Normtabellen sorgfältig studiert und es stellte sich heraus, dass Julia in der letzten Runde spielen muss und nicht verlieren darf, will sie dieses schöne Ziel erreichen. Wünschen wir ihr und der Mannschaft alles Gute, wenn es morgen um 15:00 Uhr Ortszeit (11:00 Uhr in Österreich) zum letzten Mal heißt: Lang lebe der rotweißrote König!

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Grund zur Freude haben an diesem Tag die ÖSB-Berichterstatter
Walter Kastner und Karl-Heinz Schein

Zum Abschluss noch ein paar Fotos aus dem Turniersaal und dem FIDE-Kongress...


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Russlands Damen sind Olympiasieger nach einem 4:0 gegen Bulgarien

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Nadezhda Kosintseva (RUS 1)

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Valentina Gunina (RUS 1)

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Eugenio Torre (Philippinen) studiert nach einer Niederlage das Formular

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Vielleicht das Foto des Tages!!!

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Letzter Tag der FIDE-Generalversammlung

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Kandidaten für die Olympiade 2014 sind Norwegen...

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und Bulgarien

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Die Norweger sind mit ihrem 14,9 Millionen Budget recht zuversichtlich

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Das erste Siegerfoto verrät...

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die Olympiade 2014 ist vom 1.-14. August in Tromsö

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