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Vor etwa einer Stunde ist die Schach-Olympiade 2010 in Khanty-Mansiysk eröffnet worden. Gespielt wird in der geräumigen Tennishalle, die Organisation vor Ort funktioniert bisher tadellos. Österreich trifft in der 1. Runde in der allgemeinen Klasse als Nummer 45 der Setzliste auf Honduras (119). In der Besetzung Ragger, Shengelia, Kreisl, Danner erwartet Coach Ribli einen klaren Sieg. Die Damen treffen auf Surinam und sollen laut Coach Karl-Heinz Schein in der Besetzung Moser, Kopinits, Novkovic, Newrkla ebenfalls mit einem karen Sieg gut in die Olympiade starten. Karl-Heinz Schein und Walter Kastner werden wie bei den vergangenen Olympiaden wieder ausführlich auf chess.at berichten. Unter "Weiterlesen" gibt es den ersten Bericht über Anreise, Captains Meeting und die sehenswerte Eröffnungsfeier. Fotogalerien folgen. (wk)
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Fotos: Anreise, Captains Meeting, Eröffnungsfeier, Alle Olympiagalerien

Hallo, liebe Schachfreude in der weit entfernten Heimat, wie in Turin 2006 und in Dresden 2008 werde ich auch diesmal über die Schacholympiade berichten, heuer aus Khanty Mansiysk in Sibirien.  Meine Eindrücke werde ich für euch zusammenfassen, neben dem reinen Ergebnisdienst solle es wiederum eine bunte Ansammlung an interessanten und wissenswerten Details rund um die 39. Schacholympiade werden. Anreichern werde ich das Khanty‘sche Menü mit vielen Bildern, man isst ja auch mit den Augen – nun gut, es ist angerichtet - ich wünsche guten Appetit.

Genug der Einleitung, los geht‘s:

Die Olympiade ist auf Schiene, heute werden in Khanty-Mansiysk die Schachuhren in Gang gesetzt und Millionen Schachfans in aller Welt werden gebannt in diese sibirische Stadt blicken, wo Mannschaften aus beinahe 160 Ländern den begehrten Titel eines Olympiasiegers ausspielen werden. Selbstverständlich ist auch das rotweißrote Team vertreten, das wichtigste vorweg: Wir sind alle gesund und munter (letzteres stimmt nicht ganz) nach z.T.  20 Stunden auf Achse  in Khanty Mansiysk eingetroffen. Wir, das ist zum einen das Herrenteam, angeführt von Markus Ragger und David Shengelia, Martin Neubauer, Robert Kreisl und Georg Danner mit ihrem Kapitän Zoltan Ribli und die Damen mit Eva Moser, Tina Kopinits, Veronika Exler, Julia Novkovic und Katharina Newrlka und ihrem Berichterstatter als Kapitän. Delegationsleiter ist ÖSB-Generalsekretär Walter Kastner.

Kurzer Rückblick: 19. September 2010, 8. 30, Hauptbahnhof Graz: Ein Kleinbus macht sich auf die Reise und bis Wien wird er 12  Mitglieder der österreichischen Delegation aufgesammelt haben. Zoltan Ribli reist gesondert an und wird aus Budapest kommend  am Flughafen in Prag auf uns warten, wo um 20.15 der Charterflug nach Khanty Mansyisk auf dem Programm steht.

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Kurz zusammengefasst: Die Reise bis Khanty-Mansiysk verlief absolut problemlos, ein kleinerer Stau vor Prag ließ nur kurz Unruhe aufkommen, doch letztlich war der eingeplante Zeitpolster groß genug, um rechtzeitig den Prager Flughafen zu erreichen, wo Zoltan Ribli bereits auf uns wartete. Der Flieger hob allerdings erst mit einer Verspätung von 80 Minuten Richtung Sibirien ab. Ob sich jemals mehr Elopunkte  zugleich auf die Reise machten? Peter Leko, Nigel Short, Hikaru Nakamura, oder Boris Gelfand  waren nur einige der Schachstars, die gemeisnam mit uns und rund 200 anderen Teilnehmer/innen für diesen Fluf eincheckten. Martin Neubaer saß neben Judith Polgar und unterhielt die ungarische Weltklassespielerin charmant während des vierstündigen Fluges. Nach einer kurzen Zollprozedur am Flughafen in Khanty-Mansiysk wartete schon eine freundliche Assistentin, Lena,  auf uns und geleitete das österreichische Team zum Autobus, der uns ins Hotel Olympia brachte.

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Lena wird für die Dauer der Olympiade unsere Ansprechpartnerin für organisatorische Fragen sein. Was war im Vorfeld nicht alles über dieses brandneue viersterne Hotel berichtet worden. Noch vor wenigen Tagen konnte man im Internet Bilder von staubigen Zimmern und gestapelten Zementsäcken sehen und Meinungen kamen hoch, dieses Hotel würde für die Olympiade nie und nimmer fertig werden. Die Organisatoren belehrten alle Zweifler eines Besseren. Das Hotel präsentiert sich im Tip Top Zustand, die Zimmer sind hervorragend und der Speisesaal mit einem hervorragenden Buffetangebot erste Klasse. Das Frühstück nahmen wir um 8 Uhr morgens ein, zu Hause in Österreich war es da erst vier Uhr. Trotzdem ließen wir es uns schmecken, um anschließend im Schlaf die Strapazen der Reise zu vergessen.

Um 20 Uhr stand das Captains-Meeting auf dem Programm, das die wichtigsten organisatorischen Punkte für die Mannschaftskapitäne klären soll. Einige interessante Aspekte. Zum ersten Mal in der Geschichte von Olympia ist eine Frau die Hauptschiedsrichtern, nämlich Sava Stoisavljevic (SRB).

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Sie wird jeden Tag um 15 Uhr den Countdown bis zum Start herunter zählen. Wer dann bei Null nicht am Brett sitzt, kann stehen bleiben, seine Partie wird als Verloren gewertet. Diese Null-Sekunden Toleranz für zuspätkommende hat man auch in Dresden schon angewandt, wir sind gespannt, wer den zweifelhaften Ruhm des ersten Opfers einfahren wird. Gefallen ist eine zweite Neuerung aus Dresden. Dort war es verboten, vor dem 30. Zug ein Remis anzubieten. Hier sind Remisangebote früher erlaubt. Allerdings sind im Vorfeld ausgemachte Remisangebote nach wie vor nicht geächtet, sollte so eine Remisvereinbarung entdeckt werden, wird die Partie mit 0:0 gewertet. Bleibt in Summe zu hoffen, dass die Spieler/innen den nötigen Kampfgeist zeigen und nicht das Fallen dieser Regel sehr schnell als schweren Fehler entlarven.

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Der Höhepunkt des ersten Tages ist traditionell die Eröffnungsfeier und ich muss sagen, es war die schönste und beeindruckendste, die ich bei Schachoympiaden bislang erleben konnte. Spektakulär von der ersten bis zur letzten Minute sprach sie alle Sinne an und  bot von russischer Folklore, einer unglaublichen Lasershow, dem Einmarsch der Nationen und einem Schachspiel mit lebenden Figuren eine atemberaubende Palette von interessanten Impressionen. Die Choreographie der Feier war penibel geplant und einstudiert und man kann sich kaum vorstellen, wie viele Probestunden in diese spektakuläre Aufführung geflossen sind. Sichtlich stolz begrüßten Kirsan Iljumshinov, ein Vertreter der russischen Schachföderation und der Bürgermeister  von K.-M. die Teilnehmer aus aller Welt. Auch eine Grußbotschaft von Präsident Dmitry Medwedev wurde über Videoleinwand eingespielt.

Hier ein paar Fotos:

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Um 22.30 war es soweit: Die Auslosung für die erste Runde wurde bekannt gegeben.

Bei den Herren spielt Österreich gegen Honduras, die Damen treten gegen Surinam an. In beiden Begegnungen sind wir klarer Favorit. Alle Brettern sind verkabelt und ich freue mich, wenn wir uns ab 15 Uhr Ortszeit (in Österreich: 11.00 Uhr) virtuell vor den Bildschirmen treffen, wenn es dann zum ersten Mal hier in Sibirien heißt:  „Lang lebe der rotweißrote König!“

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