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Zwei klare 4:0 Sieg gelingen Österreichs Teams zum Auftakt der Schach-Olympiade in Khanty-Mansiysk. Die "Herren" holen sich gegen Honduras ebenso das Punktemaximum wie unsere Damen gegen Surinam. Freilich ist das alte System der Auslosung mit Spiel der ersten Hälfte gegen die zweite (in Dresden war 2008 geviertelt worden) ein Bestschießen der Großen gegen die Kleinen. Enstprechend viele 4:0 Siege zieren die Ergebnisliste der ersten Runde. Heute wird es entsprechend schwerer. Österreich trifft auf Chile und bei den Damen auf Aserbeidschan. Unter "Weiterlesen" gibt es den Fotobericht der 1. Runde... (wk)
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Tag 2/Runde 1

Acht zu Null, das ist doch schon was!

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Martin Neubauer freut sich mit Lena, Österreichs Begleiterin

Einen glänzenden Einstieg ins Turnier brachte die erste Runde für die beiden österreichischen Teams. Sowohl die Herren, als auch die Damen behielten eine blütenweiße Weste und fertigten Honduras bzw. Chile mit glasklaren 4:0 Siegen ab. Beginnen wir bei den Herren:

Offenbar war das Konzept der Honduraner darauf ausgerichtet, mit unkonventionellem Stil die Favoriten aus dem Konzept zu bringen. Dies gelang jedoch in keinster Weise. Markus Ragger am Spitzenbrett nahm mit sichtlichem Appetit die ihm dargebotenen Gambitbauern, und als der Gegner dazu noch kombinieren wollte, kam diesem gar eine ganze Figur abhanden.

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Davit Shengelia gestaltete sein Olympiadebut für Österreich erfolgreich. In keiner Phase kamen Zweifel auf, ob Davit die Partie nach Hause spielen würde. Das Brett 2 von Honduras war kein Gradmesser für unseren Großmeister auf Brett 2.

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Robert Kreisl wurde von Trainer Ribli (dieser übrigens im Steireranzug!) an Brett 3 aufgestellt und der Leobner lieferte eine klassische Lehrpartie ab, wie man als Weißer gegen die Stonewallverteidigung agieren soll. Am Ende stand ein klassisches Läufer-Springerendspiel am Brett, mit allen Trümpfen für den Gaul des Weißen, der den Läufer nach Belieben dominierte.

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Georg Danner spielte hochkonzentriert und voll motiviert, so wie man es von ihm gewohnt ist: Er erlange schon früh Eröffnungsvorteil, den er sukzessive ausbaute, Materialvorteil folgte, und das Turmendspiel wurde sicher nach Hause gebracht.

Fazit: ein ungefährdeter und auch in dieser Höhe verdienter Kantersieg, der der Mannschaft Selbstvertrauen für die nächsten Runden geben  geben sollte.

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Zu den Damen:

Veroika Exler muss auf die 2. Runde warten, um zu ihrem Olympiadebut zu kommen, sie erlebte als Zuseherin mit, wie ihre Teamkolleginnenn  über Kampfgeist zu einem 4:0 Sieg kamen.

Der Reihe nach: Julia Novkovic sah sich nach 1. e4 mit der sizilianischen Verteidigung konfrontiert. Nach dem Motto Augen zu und durch machte sich ihr König mittels langer Rochade auf den Weg zum hoffentlich sicheren Damenflügel. Auf der anderen Brettseite ging es mit einem Bauernsturm munter zur Sache; Nach einigen ungenauen Zügen der Schwarzspielerin gipfelte die Attacke schließlich in einem sehenswerten Räumungsopfer . „Haben Sie Ld8 geseh’n, haben sie das schon erlebt?“, so ähnlich sang doch Reinhard Fendrich? Bitte den Schlusszug von Julia unbedingt anschauen, meiner Meinung nach der Zug des Tages im rotweißroten Team.

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Auf 2:0 stellte Tina, ihr Wolgagambit zog sie gnadenlos durch. Weiß wollte sich durch Abtausch entlasten, aber gerade der Übergang ins Endspiel kam paradoxerweise der Gambitspielerin zugute. Im Endspiel hatte Tina dann drei Bauern mehr, die Verwertung wollte sich ihre Gegnerin nicht mehr zeigen lassen.

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Unser Spitzenbrett sicherte dem Team dann den dritten Punkt. Königsindisch im Anzuge packte Eva Moser aus und die Gegnerin verstand es nicht wirklich, trotz harter Gegenwehr den Druck  von Eva abzuschütteln. In einem Endspiel der dicken Jungs (beide Türme und die Damen waren noch am Brett) verdichtete Weiß ihren Raumvorteil zu Materialgewinn und schloss schlussendlich kraftvoll ab.

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Am nervenaufreibendsten ging es auf Brett vier zu, wo Katharina Newrlka  ungefähr 15 Züge lang von ihrem Fischer-Zeitbonus lebte. Immer wieder rann die Bedenkzeit bis auf wenige Sekunden hinunter und es war beachtlich, wie cool und nervenstark Katharina in dieser kritischen Phase agierte. Äußerlich ruhig und gelassen packte sie in großer Zeitnot eine Reihe starker Züge aus und verstand es, die sichtlich nervöser werdende Gegnerin zu schwächenden Bauernzügen zu verleiten, die sich schlussendlich für Katharinas Gegnerin als verhängnisvoll erweisen. Mit sehenswerten Manövern pflückte Katharina einen schwachen Bauern nach dem anderen und schließlich ging es auch dem König ihrer Gegnerin an den Kragen.

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Fazit: Sogenannte „Pflichtsiege“ sind immer am schwersten einzufahren, unsere Damen haben diese nicht einfache Aufgabe mit Bravour erfüllt.

Heute warten auf beide Teams ungleich schwierigere Kaliber. Die Herren treten gegen Chile in den Ring und unsere Damen messen sich gegen die besten Schachspielerinnen Aserbeidschans, der Heimat des großen Garry Kasparov.  Angeführt von Zeinab Mamedjarova, der Schwester des berühmten 2700-ers Shakhriyar Mamedjarov, werden sie sicherlich alles daran setzen, unseren Damen das Leben am Schachbrett so schwer wie möglich zu gestalten. Doch keine Angst, unsere Absichten sind auch nicht gerade friedlich….

In diesem Sinne: Um 15 Uhr Ortszeit (11 Uhr MEZ) Daumen drücken, dann heißt es wieder: lang lebe der rotweißrote König!

 

Ein Wort zu den Spielbedingungen:

Bislang gibt die Olympiade keinerlei Anlass zu klagen, von seiten der Veranstalter wird alles unternommen, den SpielerInnen bestmögliche Spielbedingungen zu schaffen. Die beiden Hallen im großen Tenniszentrum von KM bieten allen TeilnehmerInnen genügend Platz; Licht und Temperatur sind angenehm, strenge Sicherheitskontrollen machen es Unbefugten nahezu unmöglich, in den Spielerbereich vorzudringen. Die Sicherheit wird in KM offensichtlich groß geschrieben, ohne Akkreditierungskarte ist es nicht einmal möglich, die Hotels zu betreten, in denen die SpielerInnen wohnen. Am Eingang der Turnierhalle sind Metalldetektoren angebracht und alle SpielerInnen, Mannschaftskapitäne und Presseleute müssen sich beim Eingang einer genauen Kontrolle unterziehen.

In den weitläufigen Gängen des riesigen Gebäudes werfen die bevorstehenden Wahlen beim Fidekongress, der in wenigen Tagen beginnen wird, erste Schatten. Lange Schlangen bildeten sich vor dem Stand von Kirsan Iljumshinov, der wie vor 4 Jahren in Dresden Taschen mit Geschenken für alle SpielerInnen zur Verteilung brachte.  Auch werden schon kräftig die Werbetrommeln für die Olympiade 2014 gerührt, die beiden Kontrahenten um den Ausrichterplatz  sind Albena (Bulgarien) und Tromsö (Norwegen). Dazu werde ich später noch ausführlicher berichten.

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Noch ein Österreicher hatte heute übrigens sein Olympiadebut: IS Manfred Mussnig verrichtete seinen Job gewohnt umsichtig und unauffällig, auch ihm wünschen wir für den restlichen Verlauf viel Erfolg!

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